Fragen & Antworten

Fragen und Antworten

Ist der Werkstoff Stahl für die Zukunft das richtige Standbein eines Industriekonzerns?
Thyssen und Krupp haben ihre Wurzeln im Stahlgeschäft. Dieses ist auch im heutigen ThyssenKrupp Konzern eine der drei Säulen des Portfolios. Wir haben den Stahlbereich in den vergangenen Jahren erfolgreich restrukturiert und besetzen hervorragende Marktpositionen. Damit stehen wir auf einer guten Basis und werden darüber hinaus aber noch zahlreiche weitere Verbesserungspotenziale auf der Kosten- und Marktseite sowie bei der Führungseffizienz erschließen. Außerdem ist ein intensiver gegenseitiger Know-how-Austausch in der Werkstoffkompetenz mit den Segmenten Automotive und Services gegeben.
Was ist der Grund für die Neuordnung der Stahl-Aktivitäten bei ThyssenKrupp ab 1. Oktober 2005
Unter Führung von ThyssenKrupp Steel wurden in den vergangenen Jahren durchgreifende Umstrukturierungen umgesetzt. Die Langprodukt-Gesellschaften sind im Rahmen von Best-Owner-Lösungen an neue Eigentümer veräußert und der Bereich Elektroband ist komplett neu aufgestellt worden. Zudem haben Fokussierungsprogramme in den Kerngeschäften Carbon Steel und Stainless Steel dazu geführt, dass diese beiden Business Units in sehr unterschiedlichen Märkten mit einer eigenständigen strategischen Ausrichtung operieren. Zu Beginn des Geschäftsjahres 2005/2006 wurden deshalb die Führungsgesellschaft ThyssenKrupp Steel AG aufgelöst und danach zwei separate Konzernsegmente im Tätigkeitsschwerpunkt Stahl gebildet. Das neue Segment Steel konzentriert sich auf Qualitätsflachstahl und das Segment Stainless auf Edelstahl Rostfrei und Nickelbasislegierungen.

Die ThyssenKrupp Steel AG (bisher ThyssenKrupp Stahl AG) ist jetzt zugleich Führungsgesellschaft und größtes Einzelunternehmen des neuen Segments Steel. Das Programm umfasst hochwertige Flachprodukte aus Qualitätsflachstahl von Warmband über Grobblech bis zu kaltgewalzten und oberflächenveredelten Feinblechen. Die Tochtergesellschaften werden entlang der Wertschöpfungskette mit Vormaterial versorgt. Dieses wird dort weiterverarbeitet und kundengerecht konfektioniert.
Hat ThyssenKrupp Steel mittel- und langfristig im weltweiten Wettbewerb die erforderliche Größe
ThyssenKrupp Steel konzentriert sich im Rahmen der Unternehmensstrategie auf Marktsegmente mit hoher Wertschöpfung und attraktiven Wachstumsraten, in denen internationale Spitzenpositionen besetzt werden. Bei Qualitätsflachstahl ist ThyssenKrupp Steel auch nach der Gründung von Arcelor und Mittal Steel der zweitgrößte Produzent in Europa und liegt weltweit auf Rang 6. Beim Umsatz liegt ThyssenKrupp Steel weltweit an vierter Stelle.
Die Kostenschere hat sich in den letzten Jahren immer stärker geöffnet. Welche Produktivitätsfortschritte hat ThyssenKrupp Steel gemacht, um diesen Trend entgegen zu wirken?
In der Vergangenheit sind kontinuierlich große Anstrengungen auf diesem Gebiet unternommen worden. Klassische Produktivitätsanalysen (z.B. Mannstunden/t Rohstahl, Lohnstunden/t Kaltband) belegen, dass im Laufe der zurückliegenden 10 bis 15 Jahre die entsprechenden Kennzahlen mehr als halbiert worden sind. Ein international gebräuchlicher Maßstab für die Produktivitätssteigerung ist auch die Entwicklung der Rohstahlerzeugung pro Mitarbeiter (Gesamtbelegschaft). Bei der ThyssenKrupp Steel AG lag diese Messgröße im Jahr 1990 bei 315 t/Mann-Jahr und 2003 bei rund 680 t/Mann-Jahr. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich in dieser Zeit die Verarbeitungstiefe und der daraus resultierende Personalbedarf deutlich erhöht haben.
Wie engagiert sich ThyssenKrupp Steel auf dem Wachstumsmarkt China?
Vor dem Hintergrund einer aktiven Internationalisierungsstrategie wurde China als bedeutsamer Zielmarkt identifiziert. ThyssenKrupp Steel hat gemeinsam mit dem chinesischen Partner Angang New Steel Co. die Feuerverzinkungsanlage TAGAL mit einer Jahreskapazität von 400.000 Tonnen realisiert. ThyssenKrupp Tailored Blanks beliefert in einem Joint Venture mit dem chinesischen Partner Wuhan Zhong-Ren Rui Zhong Auto Component Industry Ltd. in Wuhan die stark wachsende chinesische Automobilindustrie. Ein weiterer Fügebetrieb für Tailored Blanks arbeitet am Standort Changchun. Hier ist der Joint Venture Partner die Angang New Steel Co. Ltd. Weitere Tailored Blanks Fertigungen sind in Shanghai und Guangzhou geplant. Auch in Beijing soll ein Fügebetrieb entstehen. Bei diesen Projekten wird die ThyssenKrupp Stahl AG ebenfalls mit chinesischen Partnern zusammenarbeiten.
Welche sind die wichtigsten Abnehmergruppen von ThyssenKrupp Steel?
Die Automobilindustrie ist der größte Abnehmer. Weitere wichtige Kundengruppen sind Hausgeräte-, Bau- und Verpackungsindustrie.
Welche sind die wichtigsten Länder für den Außenumsatz von ThyssenKrupp Steel?
Der Schwerpunkt liegt eindeutig noch in Europa, wobei Amerika und Asien zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Welche sind die Schwerpunkte von ThyssenKrupp Steel im Bereich Forschung und Entwicklung?
  • a) Automobilleichtbau mit Stahl:
    • Weiterentwicklung höher- und höchstfester Stähle
    • Weiterentwicklung Tailored Products, Tailored Tubes
    • Innen- und Außenhochdruckformen; SpaceFrame-Lösungen mit Stahl
    • Ausbau Simultaneous und Concurrent Engineering-Aktivitäten als Systempartner für die Zielkunden im Automobilbau (Konzeptleichtbau)
  • b) Oberflächentechnik (DOC®)
    • Entwicklung neuer funktionaler Oberflächenbeschichtungen mit verbesserten Korrosionsschutzeigenschaften. Im Blickpunkt: kratzbeständige, UV-stabile und leicht zu reinigende Oberflächen.
  • c) Kostengünstiges Bauen mit Stahl
    • Feuerresistenter Stahl FR 30
    • Rollfügen von Profilen (Davex)
    • Photovoltaik-Systeme auf Stahlbasis (Solartec)
  • d) Magnesium Flachprodukte GmbH
    • Entwickeln von Verfahren zur industriellen Herstellung von Magnesiumblechen.
  • e) Elektroband für umweltschonende Energieerzeugung und –nutzung: Windkraftanlagen, Antriebe für Hybrid- und Elektroautos, Statorantrieb/Transrapid
Welche Ziele verfolgt ThyssenKrupp Steel bei strategischen Allianzen und weltweiten Kooperationen?
Wir folgen unseren Kunden durch eine stärkere Internationalisierung unserer Downstream-Aktivitäten mit lokalen, kundennahen Fertigungsstätten. In den meisten Fällen geschieht dies unter Einbeziehung von Partnern in der jeweiligen Region, um zusätzliches lokales Know-how für die Marktdurchdringung und die Verfügbarkeit von wettbewerbsfähigem Vormaterial zu sichern. Strategische Allianzen machen dort Sinn, wo Vorteile aus der Bündelung von technischen und marktbezogenen Kompetenzen bei der Belieferung global tätiger Kundengruppen erzielt werden können. Ein Beispiel hierfür ist die Zusammenarbeit von ThyssenKrupp Stahl mit JFE Group bei Qualitätsflachstahl, wo wir durch Bündelung des Know-hows der Partner unsere global aufgestellten Kunden in jeder Region der Welt mit gleicher Qualität und gleichen Lieferusancen bedienen wollen.