Das globale Brutto-Inlandsprodukt nahm 2007 nach gegenwärtiger Einschätzung um 5,2 % zu. Wichtige Impulse gingen dabei wieder von den sich entwickelnden Ländern Asiens, Lateinamerikas sowie Mittel- und Osteuropas aus; sie erhöhten damit ihre Bedeutung weiter.
Die anhaltend gute Ertragslage der Unternehmen sowie die zwar gestiegenen, aber vergleichsweise immer noch niedrigen Zinsen begünstigten die Konjunktur. Der erneut deutliche Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise hatte noch keinen nennenswerten Bremseffekt. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten, die durch die amerikanische Hypothekenkrise ausgelöst wurden, hatten in der Berichtsperiode keine wesentlichen realwirtschaftlichen Auswirkungen.

Überdurchschnittliches
Wachstum in den
Schwellenländern.
Die US-Konjunktur wurde jedoch durch den infolge der Hypothekenkrise labilen Wohnimmobilienmarkt sowie die Rezession im Automobilsektor gedämpft; das Wachstum des Brutto-Inlandsprodukts reduzierte sich dort auf 2 %. In Lateinamerika wurden erneut überdurchschnittliche Wachstumsraten erzielt. Die Erholung der brasilianischen Wirtschaft setzte sich, vor allem gestützt auf eine boomende Inlandsnachfrage, beschleunigt fort. Russland und die asiatischen Schwellenländer verzeichneten ebenfalls weiter hin äußerst kräftige Zuwächse ihrer wirtschaftlichen Leistung und kompensierten damit die nachlassenden Impulse aus dem US-Raum. Speziell die chinesische Volkswirtschaft expandierte mit unvermindertem Tempo um 11,5 %; restriktive Maßnahmen, die insbesondere die überhitzte Investitionskonjunktur dämpfen sollen, zeigten bislang keine Wirkung. Japan blieb auf relativ solidem Wachstumskurs, das Brutto-Inlandsprodukt stieg um 2,1 % gegenüber 2006.

Spezialität von ThyssenKrupp Steel: Feinbleche für Pkw-Innen- und -Außenhautteile bei hohen Anforderungen an die Oberflächenqualität.
Weiterhin kräftige
Impulse aus dem
Exportgeschäft.
In der Europäischen Union setzte sich der konjunkturelle Aufschwung auf hohem Niveau fort. Das Wachstum des Brutto-Inlandsprodukts erreichte 2,6 % und lag damit im Rahmen der Erwartungen. Wichtigste Stütze war die Binnennachfrage – mit einem gegenüber dem Vorjahr nochmals beschleunigten Wachstum sowohl der Ausrüstungsinvestitionen als auch des privaten Verbrauchs. Vom Exportgeschäft, bislang kaum beeinträchtigt durch die deutlich festere Notierung des Euro, gingen weiter kräftige Impulse aus; das Wachstum war jedoch etwas schwächer als im Vorjahr. Erneut dynamischer als Westeuropa entwickelten sich die osteuropäischen EU-Länder. Erfreulich war die Stärke der deutschen Wirtschaft, das erwartete BIP-Wachstum von ebenfalls 2,6 % stand auf einem breiten Fundament; alle volkswirtschaftlichen Nachfragekomponenten leisteten dazu solide Beiträge.
Die weltweit hohe Investitionsneigung sorgte für ein weiterhin kräftiges Produktionswachstum in den Stahl verarbeitenden Branchen. Insbesondere in Europa fiel es stärker aus, als zu Geschäftsjahresbeginn erwartet werden konnte. Diese Branchen wiesen insbesondere in der ersten Jahreshälfte 2007 hohe Zuwachsraten auf, sie übertrafen die des gesamten verarbeitenden Gewerbes deutlich.
Die Automobilindustrie erhöhte ihre Erzeugung weltweit nach vorläufigen Schätzungen um rund 4 %, wobei sich die Produktions- und Wachstumszentren weiter verlagerten: Kräftigen Produktionszunahmen in sich entwickelnden Staaten wie China, Indien, Brasilien, Russland und den osteuropäischen EU-Ländern standen eine moderatere Entwicklung in Westeuropa sowie rückläufige Tendenzen in Japan und Nordamerika gegenüber. Der Anstieg des Fahrzeugbaus in Deutschland um 4 % war wie im Vorjahr im Pkw-Sektor durch das boomende Exportgeschäft bedingt; die Inlandsnachfrage wurde gedämpft angesichts der Mehrwertsteuererhöhung und der Verunsicherung der Verbraucher durch die Diskussion über eine veränderte Kfz-Besteuerung. Auch der Nutzfahrzeugbau lieferte erneut kräftige Impulse.
Der Maschinenbau expandierte, allerdings mit unterschiedlichen regionalen Schwerpunkten. In Europa und insbesondere in Deutschland beschleunigte sich das Wachstum im Vorjahresvergleich nochmals. Die außerordentlich starke Nachfrage aus dem In- und Ausland bescherte der inländischen Branche einen Rekordanstieg der Produktion um 11 %.

Kundengruppe Bauindustrie: Stahlelemente erfüllen wichtige Funktionen sowohl im Tragwerk als auch im Fassaden- und Ausbaubereich.

Die Bauwirtschaft verzeichnete 2007 global ein Jahr starken Wachstums – mit Schwerpunkten in den Ländern Asiens sowie Mittel- und Osteuropas. Im deutschen Baugewerbe setzte sich das Produktionswachstum mit etwas geringerem Tempo als 2006 fort und erreichte rund 3,5 %. Die entscheidenden Impulse gingen vom Wirtschaftsbau aus, während der Wohnungsbau rückläufig war.
Welt-Rohstahlproduktion 2007
durch China-Boom auf mehr
als 1,3 Mrd t gewachsen.
Die internationalen Stahlmärkte entwickelten sich, getragen von der boomenden Weltkonjunktur, überwiegend positiv. Weltweit stieg die Rohstahlproduktion 2007 um rund 6 % und erreichte mit 1,33 Mrd t eine neue Rekordmarke. Dabei erwies sich China ein weiteres Mal als größter Wachstumstreiber. Mit einer Erhöhung seiner Erzeugung um 17 % auf knapp 500 Mio t stieg Chinas Anteil am Weltstahlangebot auf 37 %. Da das Wachstum der chinesischen Inlandsnachfrage weniger stark zunahm, wurde ein erheblicher Anteil der Mehrproduktion exportiert. Bei gleichzeitig rückläufigen Stahlimporten baute China seine Position als größter Nettoexporteur von Stahl aus. In den meisten übrigen Stahlerzeugerländern fielen die Produktionszuwächse geringer aus. Leicht rückläufig gegenüber dem Vorjahr war die Stahlerzeugung im Nafta-Raum, wo hohe Lagerbestände bis zum Herbst 2007 die Stahlnachfrage dämpften.

Partner der Stahl verarbeitenden Industrie: ThyssenKrupp Steel bietet intelligente Stahlwerkstoffe, produktspezifische Anarbeitung und umfassenden Service.

Die Europäische Union verzeichnete insgesamt eine moderate Zunahme. Dabei war die Entwicklung in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. In Deutschland erreichte die Rohstahlproduktion 48,6 Mio t, dies entspricht einer Zunahme um 3 % gegenüber 2006.
In unserem europäischen Kernmarkt haben die relevanten Stahl verarbeitenden Industriezweige auch 2007 ihre Produktion kräftig ausgeweitet, mit der Konsequenz eines nochmals deutlich gestiegenen Stahlverbrauchs. Dies sicherte auch den Produzenten von Qualitätsflachstahl hohe Absatzvolumina bei insgesamt stabilen bis steigenden Preisen. Auf dem europäischen Markt wurde das weltweit höchste Preisniveau verzeichnet.
Die Folge waren aber auch nochmals drastisch gestiegene Einfuhren aus Drittländern. Neben China, dem mittlerweile bedeutendsten Drittlandsanbieter im EU-Stahlmarkt, haben 2007 auch Indien, Brasilien, Südkorea und Ägypten ihre Einlieferungen in die EU erheblich gesteigert.

Formel für Mehrwert: Warmbänder mit hervorragenden Eigenschaften sichern Topqualität der Fertigprodukte.

Dadurch kam es in den Sommermonaten in Teilbereichen des Markts zu einem Überangebot und damit verbunden – primär im südeuropäischen Raum – zu einem temporären Preisdruck. Lagerüberhänge bei den Endverbrauchern, vor allem aber beim Handel, bedingten, dass sich die Stahlnachfrage danach auf etwas moderaterem Niveau einpendelte. Die konjunkturelle Grundtendenz im Stahl verarbeitenden Gewerbe blieb indes robust. Durch den kräftigen Importanstieg bei gleich zeitigrückläufigen Exporten hat sich 2007 der negative Stahlaußenhandelssaldo der EU vergrößert.


Stahlmarkt in Nordamerika: Nachfrage zog gegen Ende des dritten Quartals 2007 wieder an.
Der Stahlmarkt in Nordamerika entwickelte sich, verglichen mit der Situation in Europa, gegenläufig. Als Folge eines Angebotsüberhangs hatte sich dort bereits in der zweiten Jahreshälfte 2006 das Nachfragewachstum bei nachgebenden Preisen verlangsamt. Dies und überhöhte Lagerbestände bei den Abnehmern veranlassten die Stahlanbieter, ihre Produktion zurückzufahren. Auch die Importe blieben 2007 merklich unter Vorjahreshöhe. Erst gegen Ende des dritten Kalenderquartals zeichnete sich eine Stabilisierung ab, als die Stahlnachfrage nach dem Abbau überhöhter Lagerbestände wieder anzog.
China ist Nettoexporteur
von Qualitätsflachstahl.
In Asien, wo mittlerweile mehr als 60 % der Qualitätsflachstahlnachfrage auf China entfällt, hat sich das dynamische Marktwachstum fortgesetzt. Der Aufbau neuer Kapazitäten, insbesondere in China, hat das Exportwachstum beschleunigt. Die beabsichtigte Konsolidierung der chinesischen Stahlindustrie, die auch die Schließung veralteter und ineffizienter Werke beinhaltet, schritt nicht wie angekündigt voran. Maßnahmen der Administration zur Eindämmung der Stahlausfuhren – wie die Einführung von Exportsteuern, die Abschaffung bzw. Reduzierung von Exporterleichterungen und die Einführung eines Lizenzsystems – zeigten bis zum Ende der Berichtsperiode ebenfalls noch keine wesentliche Wirkung. Der europäische Markt ist 2007 für China – abgesehen von den asiatischen Nachbarländern, die nach wie vor den größten Teil der chinesischen Stahlausfuhren aufnehmen – zum wichtigsten Zielmarkt geworden.