
Auch für die Zukunft gilt es, im Rahmen der Unternehmensstrategie die Balance zwischen den wirtschaftlichen Anforderungen mit den übrigen Nachhaltigkeitsindikatoren zu finden, die für das Prinzip Verantwortung stehen.
Nach dem erfolgreich bewältigten Restrukturierungsprozess wird ThyssenKrupp Steel auf Basis der bisher entwickelten Stärken die bewährte Strategie künftig um neue Elemente ergänzen. Um am erwarteten Wachstum des internationalen Stahlmarkts teilnehmen zu können, wird der Aufbau einer zusätzlichen Rohstahlproduktion in Brasilien in Angriff genommen, um regionale Kostenvorteile und die Nähe zur Rohstoffbasis für Eisenerz zu nutzen. Am Küstenstandort Sepetiba im Staat Rio de Janeiro wird ein Stahlwerk mit einer Kapazität zur Erzeugung von jährlich 4,4 Mio t Brammen errichtet. Das Investitionsvolumen von 2,0 Mrd US$ umfasst den Bau von zwei Hochöfen und eines Oxygenstahlwerks mit zwei Stranggießanlagen einschließlich eines Werkshafens. Die erste Bramme soll 2008 produziert werden. Der weltgrößte Eisenerzproduzent Companhia Vale do Rio Doce (CVRD) wird sich mit 10 % beteiligen.
Die Aufsichtsratsgremien des ThyssenKrupp Konzerns haben Ende November/Anfang Dezember 2005 „grünes Licht“ für die Realisierung des Brasilien-Projekts gegeben. Es bildet den wichtigsten Baustein einer integrierten Internationalisierungsstrategie, die alle übrigen Aktivitäten einbezieht. Rund die Hälfte der Produktion geht zur Verarbeitung und Veredelung nach Deutschland, die andere Hälfte in den NAFTA-Markt.
Nordamerika ist – gemessen am Mengenaufkommen für Qualitätsflachstahl – einer der wichtigsten Märkte der Welt, auf dem sich ThyssenKrupp Steel stärker positionieren will. Die Nutzung eigener Verarbeitungskapazitäten ist dabei erklärtes Ziel der Wachstumsstrategie. Die Versorgung mit kostengünstigen Brammen aus Brasilien ist dabei ein besonderer Wettbewerbsvorteil. Damit soll der Marktanteil bei international aufgestellten Schlüsselkunden, zum Beispiel in der Automobilindustrie, nachhaltig gesteigert werden. Die Planungsszenarien umfassen die Alternativen „Neubau“ oder „Kooperationen“.
Mit den Brammenlieferungen aus Brasilien wird außerdem die Präsenz in den europäischen Märkten mit Produkten und Dienstleistungen systematisch ausgebaut, bei denen spezifische Stärken und nachhaltige Wettbewerbsvorteile bestehen. Der Aufsichtsrat hat deshalb zusätzlich rund 400 Mio € für Folgeinvestitionen an unseren deutschen Standorten freigegeben. Diese werden durch Kapazitätserweiterungen ebenfalls erfolgreich weiterentwickelt. Damit können die Kunden im Kernmarkt Europa, der durch die Erweiterung der EU gewachsen ist, aus heimischer Produktion bedient werden. Die Investitionen betreffen den Ausbau der wertschöpfenden Veredelungs- und Verarbeitungskapazitäten, bei denen derzeit Engpässe bestehen. Das sind vor allem die Warmbandwerke sowie Feuerbeschichtungsanlagen.
Die Nachhaltigkeitsstrategie wird mit der Entwicklung und Implementierung eines Systems für das Nachhaltigkeitsmanagement umgesetzt.
Bei der Feinstaubproblematik wird ThyssenKrupp Steel in Abstimmung mit dem Landesumweltamt eine Ursachenanalyse der Feinstaubimmissionen im Duisburger Norden durchführen. Ziel ist es auch, den Beitrag von ThyssenKrupp Steel an der Immissionssituation zu bestimmen.
2006 wird die zweite Stufe des Emissionshandelssystems (NAP 2) in den politischen Gremien beraten. Gemeinsam mit unseren Verbänden bemühen wir uns um die Optimierung des Systems.
Die EU ist weiterhin bestrebt, eine Rahmenrichtlinie für eine Integrierte Produktpolitik (IPP) zu erlassen. Die Folge einer Bürokratisierung der ökologischen Bewertung von Produkten wäre, dass künftig allein Umweltaspekte zum Tragen kämen – technische und ökonomische Fragen wären hingegen nachrangig. Damit würde den Unternehmen erhebliche Handlungsfreiheit bei der Entwicklung neuer Produkte genommen.
Es ist bereits heute gelebte Praxis, den Umweltschutzgedanken in die Produktentwicklung einzubeziehen, wie es zuletzt mit dem Konzept NSB® NewSteelBody für den automobilen Leichtbau bewiesen wurde. Gemeinsam mit dem Nachhaltigkeitsforum der Deutschen Wirtschaft, econsense, sowie dem Europäischen Stahlverband Eurofer zeigt ThyssenKrupp an Beispielen wie Tailored Products, dass durch den praktizierten Dialog mit Kunden und Wettbewerbern eine Verbesserung der Umweltleistung von Produkten – auch ohne eine IPP-Richtlinie – erreicht werden kann. Wir suchen derzeit in Brüssel intensiv das Gespräch mit der Europäischen Kommission, um mit Ideen und Beiträgen das geplante Rechtsetzungsverfahren zu begleiten und dabei Innovationshemmnisse und Wettbewerbsnachteile zu vermeiden.
Bei ThyssenKrupp Steel ist der kontinuierliche Verbesserungsprozess mittlerweile fest im Unternehmen verankert. Auch in den kommenden Jahren werden wir darauf setzen müssen, Effizienz und Produktivität zu steigern. Gegenwärtig haben wir noch mehr Beschäftigte, als ein kostenoptimaler Personalbedarf es erfordert. Doch schon in wenigen Jahren wird sich dieses Verhältnis umkehren. Wir stehen durch den demographischen Wandel im Personalbereich vor neuen Herausforderungen. Der Altersdurchschnitt in der Stammbelegschaft der ThyssenKrupp Steel AG liegt heute bereits bei knapp 43 Jahren. Ab dem Jahr 2011 werden jährlich 500 bis 600 Mitarbeiter regulär in Rente gehen, außerdem wird das Durchschnittsalter der Belegschaft weiter deutlich steigen, weil bislang nur relativ wenig junge Leute dauerhaft eingestellt werden konnten. Es droht eine Überalterung der Belegschaft sowie ein schlagartiger Verlust an Kompetenz, Wissen und Erfahrung. Der Personalbedarf wird dadurch erheblich steigen. Auf diese völlig neue Situation werden wir uns frühzeitig einstellen. Wir werden dann verstärkt nach qualifizierten und motivierten Mitarbeitern auf dem Arbeitsmarkt suchen müssen, und zwar in Konkurrenz mit anderen Unternehmen, die von diesem demographischen Trend gleichermaßen betroffen sind.
Unter dem Titel Programm Zukunft hat das Unternehmen deshalb eine Strategie entwickelt, um die Mitarbeiterzahl langfristig zu stabilisieren und die Belegschaft Schritt für Schritt zu verjüngen. Geplant ist, dass ab 2007/2008 das Instrument der Altersteilzeit gezielt dazu genutzt werden soll, junge Leute nachrücken zu lassen. Insgesamt sollen ab dem Jahr 2008 voraussichtlich mehr Auszubildende als bisher in eine feste Anstellung übernommen werden.
Ab 2014, wenn die Stammbelegschaft ohne Intervention von Seiten des Unternehmens unterhalb des Personalbedarfs liegen würde, sollen Mitarbeiter länger im Unternehmen gehalten werden. Um die Wettbewerbsfähigkeit und die Beschäftigung im Unternehmen zu sichern, hat sich ThyssenKrupp Steel in diesem Zusammenhang außerdem auf die Fahne geschrieben, die Kompetenzen der Mitarbeiter kontinuierlich weiterzuentwickeln. Das bedeutet, dass Beschäftigte aller Altersgruppen ihr Qualifikations- und Leistungsniveau steigern müssen, damit vorhandene Qualifikationsdefizite gar nicht erst entstehen und vorhandene Lücken geschlossen werden. Zusätzlich sollen Potenziale im eigenen Unternehmen stärker genutzt werden: Ziel ist ein optimaler Einsatz der Mitarbeiter, der Auslastungsschwankungen abfedert und Mitarbeiter qualifikations- und altersgerecht beschäftigt. Mehr Arbeit sollen von eigenen Mitarbeitern, weniger Arbeit von Fremdfirmenmitarbeitern erledigt werden. Schließlich soll die Leistungsfähigkeit der Belegschaftsmitglieder durch ein gezieltes Gesundheitsmanagement verbessert werden.
Vorstand, Betriebsrat und Unternehmenssprecherausschuss erarbeiten gegenwärtig die Grundlagen für die Umsetzung des Programms Zukunft. Zusammen mit dem Projekt 2006 wird es kurzfristig die Handlungsfähigkeit bei aktuellem Wettbewerbsdruck sichern und mittelfristig die Zusammenführung heutiger Anpassungsnotwendigkeiten mit den künftigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen bewirken. Dies wird nachhaltig dazu beitragen, das Unternehmen erfolgreich weiterzuentwickeln und damit langfristig Beschäftigung zu sichern. Somit schaffen wir ideale Rahmenbedingungen für die Mitarbeiter der nachfolgenden Generationen.
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