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E-Business

Weg vom Papier


Schon vor Jahren begann mit SteelOnline die Digitalisierung im Stahlbereich von thyssenkrupp. Heute kann jeder Kunde sein Geschäft schnell und direkt steuern.

(Interview: Judy Born)

Herr Heitkamp, was ist SteelOnline?

Wir haben mit der Plattform ein Informationsportal geschaffen, über das der Kunde seine Auftrags- und Fertigungsstände sicher einsehen kann. Rund um die Uhr, überall auf der Welt.

Außerdem ist eine personalisierte Konfiguration möglich, die den Abruf von allen relevanten Aktualisierungen beinhaltet. Zusätzlich können Dokumente, wie zum Beispiel Rechnungen und Qualitätszertifikate heruntergeladen werden.

Das ähnelt einem Shopping-Portal?

Ja, so in der Art. SteelOnline ist jedoch noch keine Verkaufsplattform. Sie bietet derzeit die vollständige Transparenz über konventionell erteilte Aufträge. Wir denken darüber nach, den Bestellprozess eines Tages hierüber zu ermöglichen. Über SteelOnline kann der Kunde zudem sein fertiges Material abrufen. Also verfügen, was er davon zu welchem Zeitpunkt geliefert haben möchte.

Das funktioniert beim privaten Online-Kauf mitunter nicht so gut.

Stimmt, hier müssen Sie hoffen, dass das Paket pünktlich zugestellt wird und Sie zu Hause sind, wenn der Postbote kommt. Bei uns kann der Kunde das selbst bestimmen. Wir nennen diese Anwendung „Versandeinteilung“. Es ist eine Transaktion, mit der der Kunde die Disposition beschleunigt.

Für wen eignet sich die Nutzung von SteelOnline?

Im Grunde für jeden unserer Kunden, sofern er nicht bereits Geschäfts- und Prozessdaten mit uns per Electronic Data Interchange (EDI) austauscht.

Und wie funktioniert EDI?

Es bedeutet, dass zwei Rechnerwelten elektronisch Daten miteinander austauschen. Dafür werden vorab gemeinsam Datenformate definiert und zwischen dem Sender und Empfänger zeitnah hin- und hergeschickt.

Was braucht man dazu alles?

Nicht so viel, wie manch einer vielleicht denkt: einen Computer, eine Internetleitung, eine Software und jemanden, der weiß, was er da tut.

Für wen lohnt sich dieses elektronische Transferverfahren?

Für Kunden, die ohnehin schon mit SAP oder einer anderen Standardsoftware arbeiten. Sie müssen nicht dasselbe System haben wie wir, sondern in der Lage sein, Daten zu importieren bzw. zu exportieren. Wir legen dann gemeinsam die Schnittstelle und Technik fest, sodass sich die Rechner verstehen.

Das klingt ja einfach!

So ist es. Wir arbeiten seit rund 20 Jahren mit EDI und haben somit sehr viel Erfahrung. Die Kopplung der beiden IT-Systeme läuft über Nachrichtenarten und Formate. Diese gemeinsam mit dem Kunden festzulegen, ist unser Job.

Das heißt, Ihre Abteilung etabliert solche E-Business-Lösungen mit Kunden?

Richtig. In der Regel ist der Auslöser, dass der Kunde künftig auf Papier verzichten und digital mit uns kommunizieren möchte. Dann werden wir aktiv, prüfen die Voraussetzungen und entscheiden, ob EDI möglich ist oder SteelOnline genutzt werden kann.

Was ist der Unterschied zwischen EDI und SteelOnline?

Bei EDI arbeitet der Kunde in seiner Systemumgebung. Darüber können nahezu alle Geschäftsprozesse unterstützt werden: Bestellung, Fertigmeldung, Versanddaten, Rechnungen und dergleichen. Alles kann automatisiert werden.

Die EDI-Anbindung – insbesondere die Bestell-EDI – bietet sich für häufig wiederkehrende Artikel an. Der Prozess des elektronischen Datenaustausches ist ein Geben und Nehmen. Und man kann damit große Datenvolumen verschicken. SteelOnline ist als Internetplattform ein zusätzliches Serviceangebot für nicht EDI-fähige Kunden.

Wir wollen die Geschäftsprozesse mit allen unseren Kunden so weit wie möglich digitalisieren.

Ansgar Heitkamp, Leiter E-Business & EDI
Wie ist die Kundenresonanz bisher?

Sehr gut. Beispielsweise werden rund 60 Prozent der Bestellmenge im Stahlbereich von thyssenkrupp über EDI bestellt. Wir wollen sowohl die Nutzung von EDI als auch von SteelOnline weiter erhöhen. Und unsere Kunden wollen das ebenso.

Wie aufwendig ist es, eine EDI-Verbindung zwischen thyssenkrupp Steel Europe und dem Kunden aufzusetzen?

Das ist ganz unterschiedlich. Es kommt auf die Gegebenheiten beim Kunden an und auf die Inhalte, die ausgetauscht werden sollen. Diese müssen zunächst genau abgestimmt und definiert werden. Oft können wir mit Standardformaten arbeiten, manchmal muss alles individuell angepasst werden.

Welche weiteren Möglichkeiten bietet der elektronische Datenaustausch via EDI?

Weitere Anwendungsfelder sind der Austausch von CAD-Daten mit zum Beispiel großen Automobilkunden. Hier stellen wir, wie auch bei allen anderen Transaktionen, einen eigenen und sicheren Datenraum zwischen uns und dem Kunden zur Verfügung, da es sich bei Neu- und Weiterentwicklungen natürlich um hochsensible Informationen handelt.

Was ist das langfristige Ziel von E-Business?

Unser Bestreben ist die Digitalisierung möglichst vieler Geschäftsprozesse, die wir mit Kunden abwickeln. Damit erreichen wir auch einen Verzicht auf Papier.

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