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Geschäft zieht Geschäft an

Darüber sprachen Ulrike Höffken, Leiterin des Bereichs Logistik bei thyssenkrupp Steel Europe, und Luc Arnouts, Chief Commercial Officer des Hafens von Antwerpen, bei ihrem Treffen in Belgien.

Frau Höffken, werden die Produkte von thyssenkrupp Steel Europe in jeden Winkel der Welt geliefert?

Höffken: Aber sicher. Wir folgen häufig unseren Kunden, die weltweit neue Werke eröffnen und unser Material dort verarbeiten wollen – egal wohin. Wir prüfen die Häfen, die für die jeweilige Region genutzt werden können, und unsere Mitarbeiter begutachten daraufhin die Gegebenheiten vor Ort.

Wir folgen unseren Kunden – egal wohin.

Ulrike Höffken

Welche Voraussetzungen müssen das sein?

Höffken: Zum Beispiel Allwetter-Terminals für unsere Short-Sea-Verkehre, an denen auch bei Regen umgeschlagen werden kann. Das ist wichtig, da unser Material nicht feucht werden darf. Wir informieren uns, welche Firmen logistische Dienstleistungen erbringen können und die nötige Erfahrung im Umgang mit Stahlprodukten haben. Wir überprüfen, welche Schiffe die Reedereien einsetzen, in Bezug auf Staumöglichkeiten und Verkehrssicherheit.

Herr Arnouts, welche Vorteile hat Antwerpen hier zu bieten?

Arnouts: Zuerst einmal das hohe Schiffsaufkommen und das dichte Liniennetz. Sowohl beim Containerverkehr als auch beim Stückguttransport. Das Verhältnis zwischen Import und Export ist relativ ausgeglichen. Ein gesunder Kreislauf für Versender und Empfänger. Denn wenn Schiffe immer voll beladen an- und abfahren können, reduzieren sich die Transportkosten.

Welche Vorzüge für Stahlunternehmen gibt es im Hafen selbst?

Arnouts: Unsere Terminals sind auf unterschiedliche Fracht spezialisiert. Beginnend bei der Ausrüstung der Kaianlagen bis zu den Dockarbeitern, die jahrzehntelange Erfahrung im Umschlagen von Stahlprodukten haben. Darüber hinaus haben wir auf dem Gelände sieben Anarbeitungscenter. Know-how und Produktivität sind die Säulen unseres Geschäfts.

Wir bieten jahrzehntelange Erfahrung im Umschlagen von Stahlprodukten.

Luc Arnouts

Höffken: Stimmt. Speziell in Antwerpen stellen wir über die Beteiligung an RKE und Coilterminal die Qualität unserer Produkte beim Transport sicher. Auch sonst überlassen wir nichts dem Zufall: Es geht nur einwandfreie Ware in den Transport, die von eigenen Fachleuten oder in unserem Dienst stehenden Experten für die Seefracht verpackt wird. Außerdem gibt es genaue Ladevorschriften für das Umschlagen auf das Schiff wie für die Beladung im Schiff.

Das betrifft die Verladung in Duisburg und Antwerpen, aber die Reise geht ja weiter...

Höffken: Richtig. Wir überprüfen die Ware immer dort, wo unser Material auf andere Verkehrsträger umgeladen wird. So beschäftigen wir in Empfangshäfen weltweit Qualitätssicherer, die den Zustand der Produkte vor dem nächsten, sogenannten „Gefahrenübergang“ kontrollieren. Solange wir für den Transport zum Kunden verantwortlich sind, tragen wir für die tadellose Lieferung Sorge.

Ulrike Höffken

Unsere Qualitätssicherer tragen für die tadellose Lieferung Sorge.

Ulrike Höffken

Der Containerverkehr wächst. Wie beeinflusst das Ihre Arbeit?

Arnouts: Enorm. Wir sind derzeit der drittgrößte Containerhafen Europas, was bei uns 55 Prozent des Gesamtbetriebs bedeutet. Und das wird weiter zunehmen. Dennoch werden konventionelle Verladungen weiterhin einen großen Teil ausmachen.

Höffken: Wir müssen uns hier weiterentwickeln. Aber die Nutzung von Containern ist für den Coilversand kaum lohnenswert. Um die schweren Stahlrollen darin zu fixieren, verwenden wir Holz und Stahlträger. Letztere müssen anschließend an uns zurückgeführt werden. Es gibt zwar „Coil-Tainer“, um die Coils standardisierter zu stauen, doch das ist meist we-sentlich teurer als die konventionelle Verschiffung. Den Containerverkehr nutzen wir nur, wenn er sich wirtschaftlich lohnt – beispielsweise um Flachstahl in Paketen oder auf Paletten zu versenden. Oder wenn uns die rechtzeitige Versorgung unserer Kunden keine andere Wahl lässt.

Wie sehen Sie beide die Zukunft des Gütertransports per Schiff?

Arnouts: Das Transportaufkommen wird beständig größer und weder Bahn noch Lkw werden das leisten können. In Deutschland wie auch in Belgien und Holland muss massiv in das Schienen- und Straßennetz investiert werden. Per Schiff geht es kostengünstiger und die Wachstumsmöglichkeiten sind groß.

Luc Arnouts

Das Transportaufkommen wird beständig größer. Per Schiff geht es kostengünstiger.

Luc Arnouts

Höffken: Auch ich mache mir um den Schiffsverkehr keine Sorgen. Der Transport der Fertigprodukte über Antwerpen raus an den Kunden funktioniert wunderbar. Das Problem sehe ich eher auf der Schiene oder Straße wie etwa bei den Zwischenwerkverkehren. Hier sind dringend zusätzliche Mittel für die Instandsetzung und Modernisierung von Brückenbauwerken, Bahntrassen und Straßen nötig.

Wo besteht denn noch Optimierungsbedarf?

Höffken: Wir brauchen unbedingt ein einheitliches Track & Trace-System. Das heißt, jeder Versender, Zulieferer, Kunde muss zu jedem Zeitpunkt nachprüfen können, wo sich seine Ware befindet. Dazu ist eine Cloud-Technologie nötig, in der man alle Daten einsehen kann. Aktuell hat jeder sein eigenes System. Nichts ist kompatibel. Man könnte viel schneller Änderungen berücksichtigen und bisher Unmögliches möglich machen. Die gesamte Logistikbranche muss hier transparenter werden.

Arnouts: Das braucht viel Überzeugungskraft. Viele wollen ihre Informationen nicht teilen und pochen auf ihren Wettbewerbsvorteil. Man muss ihnen begreiflich machen, dass der Vorteil viel größer ist, wenn alle im gleichen System arbeiten.

Wer ist da gefordert?

Höffken: Alle. Hier muss sich die gesamte Industrie branchenübergreifend zusammentun.

Wie sieht es in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit beim Schiffstransport aus?

Höffken: Mit der neuen Abgasregelung für ECA’s (Emission Control Areas), die ab diesem Jahr gelten, wird es zu Kostensteigerungen bei Hochseetransporten kommen. Aus unternehmerischer Sicht sehe ich das kritisch, zumal wichtige Wettbewerber zum Beispiel in China für Transport und Produktion deutlich niedrigere Umweltauflagen einhalten müssen. Als Privatperson begrüße ich diese Initiative natürlich. Bei solch einem Thema schlagen zwei Herzen in meiner Brust.

Arnouts: Was uns betrifft, so haben wir als erster Hafen einen Umweltreport verfasst. Darin beleuchten wir die zahlreichen Aspekte, wie wir den Hafen nachhaltig organisieren. Wir müssen uns um die Auswirkungen unseres Tuns kümmern. In einem so dicht besiedelten Gebiet in Stadtnähe, unweit der Niederlande und Deutschlands, brauchen wir die Akzeptanz aller, wenn wir expandieren wollen. Und das wollen wir weiterhin.

Haben Sie Sehnsucht, mit auf See zu fahren?

Arnouts: Die Sehnsucht gibt es, aber die Leidenschaft für das, was wir an Land machen, ist größer. Wir sind lokal verwurzelt und arbeiten global. Ein ehemaliger Ratsherr des Hafens hat gesagt: „Halte deine Hand in die Schelde – und du bist mit der ganzen Welt verbunden.“ Ich denke, ich kann hier mehr bewirken als auf dem Meer – und wenn, dann würde ich eine Jacht dem Frachter vorziehen.

Köpfe

Ulrike Höffken

Ulrike Höffken ist Leiterin der Logistik und für die Organisation, die Steuerung und die Durchführung von Güterverkehren zuständig. Dazu gehören auch der Einkauf von Transport-, Lager- und Umschlagdienstleistungen sowie die Instandhaltung des Eisenbahn- und Hafenbetriebs.

Luc Arnouts

Luc Arnouts begleitet als Chief Commercial Officer die Entwicklung des Hafens von Antwerpen. Derzeit ist Antwerpen der drittgrößte Hafen Europas, der weltweit größte Stückguthafen und beherbergt nach Houston den zweitgrößten Chemieindustriepark der Welt.

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