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 Axel Grüneklee

Mit InCar® plus hat thyssenkrupp sein umfassendes Entwicklungsprojekt für Innovationen im Automobilbau noch weiter ausgebaut – und bündelt das Know-how aus drei Geschäftsbereichen. Axel Grüneklee ist als Gesamtleiter für die Koordination aller Einzelprojekte und Mitarbeiter verantwortlich.

Wie wurden die Projekte von thyssenkrupp InCar® plus ausgewählt?

Ein dreiköpfiges Team, dem ich auch angehörte, hat bereits 2010 im Konzern Ideen zum Thema Auto gesammelt. Mehr als 100 Vorschläge haben wir bewertet, nach Kundennutzen, Innovationsgrad, wirtschaftlichen Erfolgsaussichten und danach, wie sie zu unserer Konzernstrategie passen. An den ausgewählten Projekten mit über 40 Einzellösungen arbeiten acht Unternehmen an 15 verschiedenen Standorten zusammen.

Wie haben Sie den Überblick behalten?

Nachdem die Organisation stand, haben sich mit mir alle drei Monate die Teil- und Einzelprojektleiter aus den jeweiligen Projekten getroffen: Karosserie, Fahrwerk & Lenkung und Antrieb. Sie stellten die Projektergebnisse vor, wir diskutierten und entwickelten daraus neue Ansätze und Synergien. Wir haben uns immer in verschiedenen Betrieben getroffen, um zu erfahren, wie die Kollegen arbeiten, und um unser Wissen auszutauschen.

InCar® plus dient also auch dem Technologietransfer?

Unbedingt. Ein Beispiel: Wir haben eine erheblich leichtere Lenksäule aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) entwickelt. Carbon Components in Kesselsdorf bei Dresden hat sich mit dem Werkstoff beschäftigt, thyssenkrupp Presta in Eschen (Liechtenstein) entwickelte das Bauteil und System Engineering in Heilbronn tüftelte an der Großserienfertigung.

Gab es Ideen, die es nicht geschafft haben?

Durchaus. Unsere Vorstände haben uns explizit aufgefordert, regelmäßig zu prüfen, ob wir noch in die richtige Richtung laufen. Sie haben sehr deutlich gemacht, dass es kein persönlicher Misserfolg ist, wenn wir eine Entwicklung stoppen, sobald wir feststellen, dass sie keinen Mehrwert bringt oder wir die Wünsche unserer Kunden nicht treffen. Solche Entscheidungen zeichnen vielmehr gutes Projektmanagement aus.

Axel Grüneklee
Axel Grüneklee arbeitet seit 14 Jahren im Bereich Technologie & Innovation. Von 2005 bis 2011 war er für InCar® als Projektleiter „Karosserie“ tätig, seither ist er Gesamtprojektleiter InCar® plus.

Inwieweit profitierten Sie von Ihren Erfahrungen beim Vorläufer InCar®?

Dass mir die Leitung des Gesamtprojekts übertragen wurde, hat sicherlich mit meinen Erfahrungen aus dem Vorgängerprojekt zu tun. Ich kenne die Anforderungen, die mit der unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit verknüpft sind, und habe enge Kontakte zu Kollegen an anderen Standorten. Das Persönliche ist ganz wichtig.

Die Entwicklungen sollen Autos effizienter machen. Was heißt das?

Wir können Autos leichter konstruieren und damit den Kraftstoffverbrauch senken. Wir können Autos aber auch günstiger herstellen, indem wir noch wirtschaftlicher produzieren, etwa Fertigungsprozesse einsparen. Und Fahrzeuge können durch neue Techniken sparsamer werden: Eine elektrische Lenkung verbraucht je 100 Kilometer bis zu einem halben Liter weniger Benzin als eine hydraulische. Wenn wir das mit Leichtbau erreichen wollten, müssten wir bis zu 150 Kilogramm Gewicht im Fahrzeug einsparen.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit?

Wir betrachten bei InCar® plus die ganze Ökobilanz: Wie viel Energie kostet die Herstellung von Leichtbauwerkstoffen, und kann ein Auto das durch geringen Kraftstoffverbrauch herausholen? Welche Einsparungen können wir mit Recycling erreichen? In vielen Bereichen ist Stahl ein sehr ökologischer Werkstoff. Er vereint ökonomische und ökologische Anforderungen auf attraktive Weise und ist dadurch anderen Werkstoffen überlegen.

Die Feuertaufe steht mit den Roadshows bevor. Wie lange wird die Umsetzung dauern?

Wir werden das Projekt rund zwei Jahre intensiv vermarkten, zuerst in Europa, danach in Asien und Amerika. Wie schnell die Innovationen in die jeweiligen Autos einfließen, hängt auch von der Komplexität der Entwicklung ab. Wir haben Technologien, die heute schon Serienreife besitzen und sofort in Fahrzeuge hineinentwickelt werden können. Wir haben aber auch Themen mit einem Realisierungshorizont von fünf bis zehn Jahren.

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