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Staub wird zu Stahl

Umwelt- und Klimaschutzaufgaben sowie das Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmanagement werden bei thyssenkrupp Steel Europe von einem eigenen Bereich betreut. Andreas Theuer leitet ihn. Im Interview erläutert er die ökologischen Aktivitäten des Unternehmens und das energieeffiziente Potenzial von Stahl.

Wie setzt ThyssenKrupp Steel Europe die erklärten Unternehmensziele Energieeffizienz und Nachhaltigkeit um?

Andreas Theuer: Ein gutes Beispiel für ihre Umsetzung ist unser integriertes Hüttenkonzept. Dabei wird die bei der Produktion anfallende Energie konsequent im Kreislauf geführt. Wir nutzen Prozessgase für die Wärmegewinnung und Stromerzeugung. Unser eigenes Fernwärmenetz heizt allein durch Abwärme die Gebäude auf dem Werksgelände. So arbeiten wir am Standort Duisburg nahezu energieautark. Außerdem speisen wir Wärme in das Verbundnetz Niederrhein und beliefern rund 20.000 Haushalte. Diese Prozesse sind über Jahrzehnte hinweg gewachsen und werden kontinuierlich verbessert.

Trotzdem bleibt die Stahlproduktion energieintensiv. Können prozessbedingte CO2-Emissionen noch weiter gesenkt werden?

Die Möglichkeiten für die Senkung der Emissionswerte während der Produktion sind fast ausgeschöpft. Größere Minderungen sind nur durch die Entwicklung neuer Technologien machbar. Daran forschen wir intensiv.

Und welchen Beitrag leisten die Eigenschaften von Stahl für eine ökologische Wirtschaft?

Stahl ist dank seiner chemisch-physikalischen Eigenschaften einer der vielfältigsten Werkstoffe unserer Zeit. Davon profitieren viele Wirtschaftszweige. Ein gutes Beispiel ist das Elektroblech. Es wird in Generatoren von Windrädern oder in Motoren von Elektroautos eingesetzt. Seine immer effizienteren Eigenschaften haben in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass sich Wirkungsgrade und Umweltleistungen stetig verbesserten. So wird inzwischen bei der Nutzung mehr CO2 eingespart, als die Herstellung freisetzt.

Wie hoch ist der Einfluss der Wiederverwertbarkeit auf den ökologischen Fußabdruck von Stahl?

Stahl lässt sich zu 100 Prozent wiederverwerten – beliebig oft und ohne Qualitätsverluste. Diese Eigenschaft halbiert den CO2-Fußabdruck.

Wie sehen die Recyclingkreisläufe in Ihrem Haus aus?

Es ist unser Ziel, so viele Abfallprodukte wie möglich zu nutzen. Der Produktionsschrott wird eingeschmolzen. Metallhaltige Stäube nutzen wir für die Stahlgewinnung. Schlacken und Schlämme lassen sich als Straßenbau­materialien oder als Vorprodukt bei der Zementherstellung einsetzen. Selbst unser Prozesswasser wird bis zu 25-mal wieder genutzt. So sparen wir jährlich mehrere Millionen Tonnen CO2 ein.

Was tut das Unternehmen für die Abgasreinigung?

Wir verfügen über hochmoderne Filteranlagen. Mit ihnen unterschreiten wir die gesetzlichen Grenzwerte deutlich. Auch hier setzen wir auf Wiederverwertung. Der herausgefilterte Eisenstaub etwa wird direkt in die Stahlproduktion zurückgeführt.

Welche Impulse in Sachen Energieeffizienz erwarten Sie von der Politik?

Energieeffizienz muss nicht von der Politik verordnet werden. Das liegt in unserem eigenen Interesse als Industrie­unternehmen. Wir stellen nachhaltige Produkte her, die für viele Bereiche des täglichen Lebens unverzichtbar sind. Und das in hocheffizienten Anlagen und ressourcenschonenden Prozessen. Leider beobachten wir eine zunehmende Regulierungswut in Sachen Energieeffizienz und Klimaschutz. Europa, Deutschland, selbst die Bundesländer fühlen sich berufen, eigene Regeln aufzustellen.

Mit welchen Folgen?

Die effizienteste Lösung bleibt dabei oft auf der Strecke. Auch die durch die Energiewende bedingte Entwicklung der Energiekosten und die Diskussionen um eine Verschärfung des Emissionsrechtehandels sind aus meiner Sicht bedenklich. Die Rahmenbedingungen dürfen nicht zu einer De-Industrialisierung führen, sondern müssen planbare und wettbewerbsfähige Voraussetzungen schaffen. Nur so kann die Stahlindustrie ein verlässlicher Partner für nachhaltige und wirtschaftliche Innovationen bleiben.

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