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Tagespresse, Fachpresse, 19.12.2014, 11:32

Ziel Europameister 2015: Mats Hendrik Krämer ist Stammspieler in der Fußball-Nationalelf des Gehörlosen-Sportverbands - Beruflich geht er bei ThyssenKrupp Steel Europe seinen Weg

Gehörloser Nationalspieler ThyssenKrupp Steel Europe
Die Europameisterschaft im Blick: Gehörlosen Nationalspieler Mats Henrik Krämer im Nationalmannschaftstrikot.

Technik hat Mats Hendrik Krämer schon immer fasziniert. Ein Praktikum bei ThyssenKrupp Steel Europe motivierte ihn, sich um einen Ausbildungsplatz zu bewerben. Mittlerweile hat er die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und ist als Facharbeiter an der Spalt- und Zerteilanlage am Standort Kreuztal-Eichen (insgesamt rund 1.050 Mitarbeiter) beschäftigt. An manchen Stellen war dieser Weg eine besondere Herausforderung für Krämer: „Ich bin von Geburt an gehörlos. Beispielsweise benötigte ich Unterstützung durch einen Dolmetscher und etwas mehr Zeit für die Prüfungsvorbereitung. Aber meine Kollegen haben mich gut unterstützt und auch mein Ausbilder war eine große Stütze.“ Mats Hendrik Krämer ist mit seinem Job mehr als zufrieden und freut sich besonders über seinen reibungslosen Einstieg in eine Festanstellung, zudem bei einem renommierten Arbeitgeber wie ThyssenKrupp Steel Europe – keine Selbstverständlichkeit heutzutage.

Organisationstalent: Beruf und Nationalmannschaft müssen gemanagt werden

Die Arbeit macht Krämer großen Spaß. Zugleich ist er seinen Vorgesetzten sehr dankbar dafür, dass sie im Rahmen des Möglichen auch Rücksicht auf seine Fußballkarriere nehmen. Denn neben seinem beruflichen Erfolg setzt er auch sportlich Zeichen: Krämer ist seit 2012 Mitglied der Nationalelf des Gehörlosen Sportverbandes. Seit er denken kann, spielt er Fußball: „Als Dreijähriger habe ich schon auf der Straße mit den Nachbarskindern gespielt, dann mit meinen fußballverrückten Onkels und dem Opa, schließlich im FC Eiserfeld in Siegen“, erinnert sich Krämer. Seine Stärken sind nach eigener Aussage Technik, Dribbeln, Vorlagen und Zweikämpfe. Vor vier Jahren wurde der Bundestrainer des Deutschen Gehörlosenkaders auf ihn aufmerksam. In der Nationalmannschaft spielt er als Sechser im defensiven Mittelfeld. Die sportlichen Erfolge ließen nicht lange auf sich warten: Mit seinem Team nahm Krämer an der Gehörlosen-Weltmeisterschaft 2012 in Ankara teil und im vergangenen Jahr an den „Deaflympics“ in Sofia – dort erkämpfte sich das deutsche Team die Bronzemedaille und bei der WM immerhin den 5. Platz.

Um seinen Alltag zu managen und dabei die Arbeit, den Sport und das Privatleben unter einen Hut zu bekommen, muss Krämer gut organisiert sein: „Man braucht viel Disziplin und einen starken Willen. Neben der Conti-Schicht und dem regulären Vereinstraining in Siegen nebst sonntäglichen Ligaspielen fahre ich zwei bis drei Mal im Monat freitags nach Frankfurt/Main zum Training des Nationalteams. Viel Zeit für Familie, Freunde oder Freizeit bleibt da nicht, jede Minute ist voll durchgeplant“, stellt er fest. Der vergangene Winter war eine große Ausnahme, als eine Muskelentzündung ihn zu einer Fußballpause zwang. Ansonsten, sagt Krämer, gebe er immer 200 Prozent. Das nächste sportliche Etappenziel ist bereits ins Visier genommen: die Europameisterschaft 2015 in Deutschland. Er ist fest entschlossen zusammen mit seinem Team den Titel im eigenen Land zu holen. Auch beruflich denkt Krämer an die nächsten Schritte und kann sich gut vorstellen, sich in einigen Jahren weiter zu qualifizieren. Zunächst möchte er aber erst einige Jahre Erfahrungen in seinem derzeitigen Job sammeln.

Gehörlosen Fußball-Europameisterschaft findet im Juni 2015 in Deutschland statt

Die „EuroDeaf 2015“, die Gehörlosen Europameisterschaften im Fußball, wird im Juni 2015 in Hannover ausgetragen. Deaf ist die englische Übersetzung für Gehörloser. Die deutsche Mannschaft bestreitet das erste Spiel im Rahmen der Eröffnungsfeier am 14. Juni gegen Schweden. Außerdem spielt der Ausrichter, der Deutsche Gehörlosen Sportverband (DGS), in der Vorrunde gegen Italien und Griechenland.

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