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Tagespresse, 05.02.2015, 15:21

Mit Ernst H. Hilbich, „Boss“ Rahn und Hajo Friedrichs: ThyssenKrupp Steel Europe veranstaltet zweiten Kinoabend mit historischen Filmen – Preisgekrönter Industriestreifen „Nur der Nebel ist grau“ feierte vor 50 Jahren seine Premiere

Nur der Nebel ist grau
Bei den Dreharbeiten zum preisgekrönten Industriefilm „Nur der Nebel ist grau“ aus dem Jahr 1965: Das französische Filmteam mit Marga und Robert Menegoz (rechts außen) und Kameramann Sacha Vierny (hinten Mitte) bei der Besprechung einer Szene im Walzwerk.

Vor 50 Jahren erlebte er seine Premiere: der mehrfach preisgekrönte Industriefilm „Nur der Nebel ist grau“. Er wurde erstmals am 14. Mai 1965 auf der Hauptversammlung der August Thyssen-Hütte der Öffentlichkeit vorgestellt. In einer Zeitung hieß es damals zum vielbeachteten Streifen über das neue Werk in Beeckerwerth: „Zum Schluss nimmt der Zuschauer nicht etwa nur an, sondern er weiß es ganz genau: In diesem Stahlwerk ist nur der Nebel grau, nicht der Job und nicht der Alltag.“ Zu sehen ist die kürzere Kino-Fassung dieses Meilensteins der Industriefilmproduktion im Rahmen des zweiten Filmabends mit historischen Fundstücken aus dem ThyssenKrupp Konzernarchiv. Wegen der großen Nachfrage bei der ersten Veranstaltung wird das Programm im BesucherCentrum von ThyssenKrupp Steel Europe zweimal angeboten: am 3. März (Beginn 19.00 Uhr) und 5. März (Beginn 17.00 Uhr). „Nur der Nebel ist grau“ ist einer von vier Beiträgen, die im Rahmen des kostenlosen Filmabends unter dem Motto „Geschichten mit Geschichte“ gezeigt werden. Aufgrund vieler Vorbestellungen gibt es für beide Vorstellungen nur noch eine begrenzte Zahl von Plätzen.

Jubiläums-Film glänzt durch spektakuläre Kamerafahrten

Die Vorführung wendet sich nicht nur an ehemalige und heutige Mitarbeiter und interessierte Bürger, sondern auch an filmbegeisterte Cineasten. Das gilt vor allem für „Nur der Nebel ist grau“. Diese Dokumentation wurde von einem der profiliertesten europäischen Industriefilm-Regisseuren, dem Franzosen Robert Menegoz, sowie seinem Kameramann Sacha Vierny produziert, der unter anderem für den bekannten Kinofilm „Belle de jour – Schönes des Tages“ mit Catherine Deneuve hinter der Kamera stand. „Schon in den ersten Drehtagen stellte sich heraus, dass der Regisseur mit anderen Methoden und Mitteln arbeitete als sonst beim Industriefilm üblich. Er sprühte von Einfällen und entwickelte neue filmische Gags“, hieß es 1965 in der Werkzeitschrift der August Thyssen-Hütte. Dazu gehörte beispielweise eine bis dahin noch nie realisierte Kamerafahrt durch das Brammengerüst. Für diesen Zweck wurde eine „künstliche“ Bramme aus Holz, die Außenhaut aus acht Millimeter dickem Stahlblech, konstruiert, in die unter anderem die Kamera sowie Lampen eingebaut wurden. Im Kaltwalzwerk sollte auch die Bewegung eines abrollenden Coils aufgenommen werden. Auch hier half nur ein Trick: Die Kamera wurde auf einen starken Magneten geschraubt und dieser dann auf das Stahlband aufgesetzt.

Prominente Besucher von Charles de Gaulle bis Konrad Adenauer

Viele Staatsoberhäupter kamen in den 1950er- und 1960er-Jahren zur Hütte im Duisburger Norden. Zu ihnen gehörte auch der damalige französische Staatspräsident Charles de Gaulle. Sein eindrucksvoller Besuch wurde mit großem Aufwand unter dem Titel „Kein Tag wie jeder andere“ dokumentiert. Mit dabei als Sprecher war 1962 der renommierte Fernsehjournalist Hanns-Joachim Friedrichs. Die Wochenschau „Blick in die Welt“ berichtete unter anderem vom Besuch des früheren Bundeskanzlers Konrad Adenauer genau vor 60 Jahren.

Vorstand und Betriebsrat spielten Fußball nach der Pfeife von Helmut „Boss“ Rahn

Einer der Akteure des Streifens von 1974 ist Dr. Dieter Spethmann, der von 1973 bis 1991 Vorstandsvorsitzender der August Thyssen-Hütte war. Er spielte – im Jahr des deutschen WM-Triumphes im eigenen Land 1974 – in einer Fußball-Mannschaft des Vorstandes, u. a. mit dem späteren Vorstandschef Dr. Heinz Kriwet im Tor, gegen eine Elf von Betriebsräten. Die Partie fand im Schwelgern-Stadion statt und wurde vom 1954er-Weltmeister Helmut, genannt „Boss“ Rahn als Schiedsrichter geleitet. In der Rahmenhandlung des Films taucht ein weiterer bekannter Akteur auf: Schauspieler und Komiker Ernst H. Hilbich.

Wegen großer Nachfrage zwei Termine – Viele Vorbestellungen

Der erste Filmabend, bei dem auch Dr. Spethmann zu Gast war und mit Anekdoten aus seinem Berufsleben die Zuschauer unterhielt, waren 150 Besucher gekommen. Als weiterer Zeitzeuge berichtete Hans G. Ruhe, Tontechniker bei „Nur der Nebel ist grau“, von den Dreharbeiten in den 1960er-Jahren. Wegen der großen Nachfrage wird jetzt ein neues Programm an zwei Terminen angeboten. „Geschichten mit Geschichte“ dauert etwa eineinhalb Stunden. Die Filme werden wieder eingeführt von Mitarbeitern des ThyssenKrupp Konzernarchivs, Zeit für Fragen und Diskussion ist eingeplant. Einlass am 3. März ist um 18.30 Uhr, am 5. März um 16.30 Uhr. Die Veranstaltungen finden im BesucherCentrum von ThyssenKrupp Steel Europe (neben Tor 1, gegenüber der Hauptverwaltung Kaiser-Wilhelm-Str. 100, Duisburg-Hamborn) statt. Der Parkplatz P1 (neben Matena-Straße) ist ausgeschildert. Für den Filmabend wird kein Eintritt erhoben. Aufgrund der zahlreichen Vorbestellungen und der begrenzen Anzahl von Sitzplätzen wird um vorherige, verbindliche Anmeldung bis zum 23. Februar unter veranstaltung.besuchercentrum@thyssenkrupp.com oder beim Team des BesucherCentrums unter der Telefon-Nummer 02 03 / 52 - 2 44 30 gebeten.

Vier bedeutende Industriefilme zeigen „Geschichten mit Geschichte“:
Einer lief im Vorprogramm zum Western-Klassiker „Zwölf Uhr mittags“

Blick in die Welt (Thyssen-Wochenschau)
1951-1955, Schwarzweiß, 9 Minuten

Die Wochenschau „Blick in die Welt“ berichtete zwischen 1951 und 1955 mehrfach über die Wiederaufbaumaßnahmen der Thyssenhütte. Die einzelnen Wochenschauberichte wurden in den deutschen Lichtspielhäusern gezeigt. Die damalige August Thyssen-Hütte AG kaufte die Kurzfilme samt Restmaterial an und präsentierte sie neu vertont auf ihrer Hauptversammlung 1956. Dabei wurden u. a. prominente Werkbesuche auf Zelluloid festgehalten: so der Besuch des japanischen Kronprinzen Akihito, der Vater des heutigen Tennos,im August 1953 und der Besuch des Bundeskanzlers Konrad Adenauer im Juli 1955.

Kein Tag wie jeder andere
Charles de Gaulle besucht die August Thyssen-Hütte AG am 6. September 1962
Farbe, 20 Minuten

Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle besuchte während seiner Deutschland-Reise 1962 auch die August Thyssen-Hütte (ATH) in Duisburg. Das Stahlunternehmen scheute keine Kosten und Mühen, um den Werkbesuch perfekt durchzuführen. Die ATH dokumentierte den französischen Besuch auch in einem eindrucksvollen Film, der den Schwerpunkt auf die organisatorischen Vorbereitungen im Werk legte, die für diesen prominenten Gast erforderlich waren. Als Sprecher konnte Hanns-Joachim (Hajo) Friedrichs, der ehemalige „Tagesthemen“-Moderator, gewonnen werden, der mit seiner markanten Stimme die Vorbereitungen und den Besuch kommentierte. Unabhängig von dem eigenen Dokumentationsfilm war der Besuch de Gaulles weltweite Werbung für die ATH, da das Fernsehen den Staatsbesuch via Eurovision in zahlreiche Länder übertrug, außerdem berichteten der Hörfunk und ca. 250 Journalisten für die Printmedien der gesamten Welt. Eine französischsprachige Fassung wurde extra für den Élysée-Palast hergestellt.

Nur der Nebel ist grau [Kurz- bzw. Kinofassung]
Impressionen aus dem neuen Werk der August Thyssen-Hütte
Farbe, 1965, 12 Minuten

Der mehrfach prämierte Industriefilm „Nur der Nebel ist grau“ präsentiert das damals neue Werk Beeckerwerth der August Thyssen-Hütte (ATH) in Duisburg und die Menschen, die darin arbeiten. Erstmals kommt der Arbeiter in einem Industriefilm zu Wort. Ausschnitte von Gesprächen lassen das veränderte Verhältnis zwischen Mensch und Arbeitsplatz erkennbar werden. Die Geräusche und Stimmen sind authentisch. Auch eine Störung im Breitbandwerk – von der Kamera blitzschnell eingefangen – wurde nicht, wie bis dahin üblich, aus dem Film geschnitten. Sie zeigt, dass die Maschinen nicht unfehlbar und die sie überwachenden Menschen unersetzlich sind. Für den Film verpflichtete die ATH eine deutsche Produktionsgesellschaft und ein damals renommiertes französisches Filmteam: für die Regie Robert Menegoz und für die Kamera Sacha Vierny. Für das Beiprogramm im Kino ließ die ATH eine Kurzfassung herstellen, die bundesweit in den Kinos als Vorfilm zu dem Western-Klassiker „Zwölf Uhr mittags“ lief. Nach 50 Jahren wird die Kurzfassung erstmals wieder gezeigt.

Fußball 1974
1975, Farbe, 14 Minuten

1974 ist das Jahr des deutschen Fußballs: Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt die Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land. So verwundert es nicht, dass die Fußballbegeisterung dazu führte, dass auch ein Spiel zwischen Vorstand und Betriebsrat der August Thyssen-Hütte im Film festgehalten wurde. Am 13. September 1974 traten die beiden Teams für einen guten Zweck gegeneinander an. Im Schwelgern-Stadion in Duisburg-Hamborn versuchten sie sich als Ballartisten und „tanzten“ nach der Pfeife von Helmut Rahn, Mitglied der WM-Mannschaft von 1954. Für den Film, der ein halbes Jahr später produziert wurde, verpflichtete die ATH den deutschen Schauspieler Ernst H. Hilbich. Das Fußballspiel wurde filmisch in eine komische Handlung eingebettet: Hilbich gibt einen Mitarbeiter, der krankheitsbedingt nicht mitkicken kann. Er schaut sich die Übertragung des Spiels im Fernsehen an und äußert dazu amüsante Kommentare. Für den Vorstand spielten u. a. Dieter Spethmann als Libero und Heinz Kriwet im Tor; für den Betriebsrat traten u. a. Vorsitzender Karlheinz Weihs, Winfried Lehmbrink und Franz Matschy als Coach an.

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