Skip Navigation

Tagespresse, 09.03.2015, 10:25

41 Jahre später: Ehemaliger Thyssen-Vorstand sieht sich noch einmal als Torwart auf der Leinwand – Viele Zeitzeugen beim voll besetzten Kinoabend mit historischen Filmen

Filmabend im März
Im Einsatz: Beim 74er-Spiel zwischen Vorstand und Betriebsrat zeigte Dr. Kriwet im Schwelgern-Stadion als Torwart sein Können.

Groß und drahtig, im schwarzem Torwart-Trikot mit dick bandagierten Knien – so präsentiert sich das Thyssen-Vorstandsmitglied Dr. Heinz Kriwet auf dem Fußballfeld im Stadion Schwelgern. Er hält, was zu halten ist, muss aber trotzdem zweimal hinter sich greifen. Zu sehen war das mehr als 40 Jahre später auf der Leinwand im BesucherCentrum von ThyssenKrupp Steel Europe. Im Rahmen des historischen Filmabends „Geschichten mit Geschichte“ liefen noch einmal Szenen eines Fußballspiels vom 13. September 1974 zwischen dem Vorstand der August Thyssen-Hütte und dem Betriebsrat. Mit dabei unter den 150 Zuschauern im vollbesetzten Saal war auch Dr. Kriwet selbst, mittlerweile 83 Jahre alt. „In der Jugend stand ich auch schon im Tor“, weiß der gebürtige Bochumer noch, warum er damals als Keeper ausgewählt wurde. Die mittlerweile drei Kino-Veranstaltungen bei ThyssenKrupp Steel Europe waren mit insgesamt rund 450 Gästen völlig ausgebucht. Wegen der großen Nachfrage werden im Herbst weitere Filmabende angeboten.

Neben Dr. Kriwet war auch der frühere Vorstandsvorsitzende der August Thyssen-Hütte, Prof. Dr. Dieter Spethmann, bei dem Benefiz-Spiel 1974 als Aktiver am Ball. „Unser Spiel damals hatte seinen Ursprung in der flapsigen Frage seitens des Betriebsrates, ob der Vorstand außer Tennis vielleicht auch Fußball könne“, erinnert sich Dr. Spethmann heute. „Was ich nicht wusste: Im Stadion standen die Tore auf Maximalabstand – ich erinnere mich an 112 Meter, statt auf minimal 92 Meter oder so. Das bedeutete für uns Tennisspieler Spurt auf der Langstrecke“, beschreibt der Libero im 74er-Spiel. „Aber es ist ja für einen Vorstand immer gut, im Umgang mit seinem Betriebsrat einen langen Atem zu haben.“ Damit dieser nicht zu lang sein musste, wurde die Spieldauer auf zweimal 30 Minuten begrenzt. Da die Betriebsräte im Durchschnitt jünger waren, durften aus Gründen der Chancengleichheit nur Spieler mitmachen, die älter als 40 waren. In der Halbzeitpause gab es noch ein Elfmeter-Schießen mit einem Fass Bier als Preis, das die Betriebsrats-Mannschaft gewann. Der Eintritt betrug zwei D-Mark. Der gesamte Erlös der Veranstaltung wurde vom Unternehmen verdoppelt, sodass am Ende über 30.000 Mark als Spende an das DRK-Kinderheim in Beeckerwerth gingen.

Aber nicht nur der Torwart aus dem 74er-Spiel, Dr. Kriwet, wollte sich noch einmal historische Filme aus dem ThyssenKrupp Konzernarchiv anschauen. Auch zwei ehemalige Betriebsräte ließen sich den Rückblick nicht entgehen: Coach Franz Matschy und Feldspieler Heinrich Willing schwelgten in Erinnerungen an das „Wunder von Schwelgern“. Andere Zeitzeugen waren aus Interessierten an anderen Filme gekommen. So war die Vorführung der Dokumentation über den Besuch Charles de Gaulles im Jahr 1962 noch einmal ein außergewöhnliches Erlebnis für Monika Michael. Sie war damals nach der Ausbildung in der Finanzabteilung bei der eindrucksvollen Rede des ehemaligen französischen Staatspräsidenten in der August Thyssen-Hütte live dabei. „Und ich habe ihm direkt gegenüber gestanden“, erinnert sich Monika Michael. Jetzt sitzt sie im Publikum, lässt die Bilder von damals auf sich wirken und sagt: „So viele Jahre später nochmal diese Euphorie zu sehen, ist etwas ganz Besonderes.“

Übrigens: Trotz des großen Einsatzes von Dr. Kriwet, von 1991 bis 1996 Vorstandsvorsitzender der Thyssen AG, endete das damalige Spiel mit 2:0 für den Betriebsrat.

nach oben