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Tagespresse, Fachpresse, 07.07.2015, 10:02

Vor 60 Jahren feierte die Hütte einen Meilenstein beim Wiederaufbau: Bundeskanzler Adenauer kam zur Inbetriebnahme der Warmbreitbandstraße im Juli 1955 ins Duisburger Werk

Jubiläum WBW
Der Bundeskanzler in Duisburg: Der Besuch von Konrad Adenauer vor 60 Jahren sorgte für großes Interesse auch bei Presse, Funk und Film. Zur offiziellen Inbetriebnahme der Warmbreitbandstraße waren unter anderem Walter Cordes (Vorstand August Thyssen-Hütte), Bundeswirtschaftsminister Prof. Ludwig Erhard, Großaktionärin Amélie Thyssen, Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer und Bundesinnenminister Dr. Gerhard Schröder (v. l. n. r.) gekommen.

Foto: ThyssenKrupp Konzernarchiv

Einen wichtigen Meilenstein im Zuge des Wiederaufbaus feierte die frühere August Thyssen-Hütte vor 60 Jahren: die Inbetriebnahme der Warmbreitbandstraße, das heutige Warmbandwerk 1 in Bruckhausen. Zur offiziellen Einweihung am 11. Juli 1955 waren etwa 2.000 Mitarbeiter und 750 Gäste aus Politik und Wirtschaft, angeführt von Dr. Konrad Adenauer und unter anderem begleitet von der Witwe Fritz Thyssens, Amélie Thyssen, in den Duisburger Norden geladen. „Wenn ich heute mitten aus drängendster und schwieriger politischer Arbeit heraus hierher komme, so bitte ich Sie, darin zu erblicken den Ausdruck meines Respektes vor dem Aufbauwerk, das hier in der August Thyssen-Hütte geleistet worden ist“, erklärte der damalige Bundeskanzler im Rahmen der Feierstunde. „Nun, ich hoffe, dass es der Leitung des Werkes zusammen mit der Landesregierung und der Bundesregierung gelingt, auch die letzten Fesseln im Laufe der Zeit abzustreifen, damit dieses Werk seiner Blüte – größer als es früher war – entgegengehen kann“, so Dr. Adenauer in seiner Rede.

Im September 1953 fand der erste Spatenstich für die Errichtung der Breitbandstraße statt. Zeitweilig waren über 70 Firmen mit mehr als 2.000 Arbeitskräften täglich bei den Bau- und Montagearbeiten auf dem 50.000 Quadratmeter großen Gelände beschäftigt. Im Frühjahr 1955 wurde mit dem Einfahren der Fertigung in der rund 400 Meter langen Halle begonnen. „Ebenso interessant wie geradezu erregend war die Atmosphäre in der Walzwerkhalle, als die ersten Probeläufe in Gang kamen, als zahlreiche Beteiligte von den Vorstandsmitgliedern bis zu den Lehrlingen aus den Montagekolonnen mit dem sich von den Brammen zum Blechband verwandelnden Walzgut von den Stoßöfen bis zum Haspel förmlich um die Wette liefen, um die ersten Walzgänge zu verfolgen“, hieß es dazu in der Mitarbeiter-Zeitung der August Thyssen-Hütte.

Für den Standort im Duisburger Norden war der Produktionsbeginn der neuen Warmbreitbandstraße ein wichtiges Signal für den gelungenen Wiederaufbau nach dem Demontagestopp 1949. Deshalb sprach Dr. Adenauer bei der Eröffnung im Juli 1955 auch von einem „neuen Abschnitt unserer Werksgeschichte“ und lobte das „imposante und großartige Werk, geschaffen durch die Tüchtigkeit der hier arbeitenden Menschen“. Die hatten gleich doppelten Grund zur Freude: Neben den sicheren Arbeitsplätzen durch die schrittweise Ausweitung der Produktion erhielt jedes Belegschaftsmitglied der August Thyssen-Hütte aus Anlass der Feierstunde Gutscheine über 20 D-Mark, mit denen Einkäufe gemacht werden konnten.

Warmbandwerke sind Kernaggregate bei der Herstellung von Flachstahl

ThyssenKrupp Steel Europe betreibt vier Warmbandwerke an den Standorten Duisburg und Bochum mit einer jährlichen Produktion von fast zwölf Millionen Tonnen. Das Warmbandwerk 1 in Bruckhausen, das 2013 umfangreich modernisiert worden ist, verfügt über eine Gesamtkapazität von rund drei Millionen Jahrestonnen. Etwa 600 Mitarbeiter sind derzeit dort beschäftigt.

Warmband ist die Basis aller Flachstahl-Produkte von ThyssenKrupp Steel Europe. Bei der Fertigung werden Stahlblöcke bei mehr als 1.000 Grad Celsius in mehreren, hintereinander liegenden Walzgerüsten zu dünnen Blechen gewalzt. Dieses Material wird von den Kunden entweder direkt eingesetzt oder an den Standorten von ThyssenKrupp Steel Europe weiterverarbeitet. Das Warmbandwerk 1 erzeugt überwiegend Vormaterial für den Verpackungsstahlspezialisten ThyssenKrupp Rasselstein in Andernach, der daraus Feinstblech für anspruchsvolle Verpackungslösungen herstellt, wie z. B. Lebensmittel- und Getränkedosen oder Aerosolverpackungen. Hinzu kommen unter anderem Vormaterial für Elektroband, das z. B. in Elektromotoren zum Einsatz kommt oder in Transformatoren für höchste Wirkungsgrade sorgt, sowie Feinbleche und besonders dünne und flache Sondergüten.

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