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Tagespresse, Fachpresse, 31.08.2015, 17:23

Das neue Ausbildungsjahr startet: Junge Leute meistern Alltag und Beruf zwischen Kindererziehung und gesundheitlichem Handicap

Fabian Kahlert
Mit Diabetes Typ I Ausbildung und Fussballsport meistern: Der Azubi-Neuling Fabian Kahlert (17) steht mitten im Leben.

Nun wird es ernst: Die Ausbildung beginnt für 307 junge Menschen, die an den Standorten von Thyssen-Krupp Steel Europe einen Ausbildungsplatz erhalten haben. Für einige von ihnen wird der Start in das Berufsleben eine besondere Herausforderung sein. Anders als viele ihrer Kolleginnen und Kollegen müssen sie neben der Ausbildung auch noch einen schwierigeren Alltag managen: Fabian Kahlert in Dortmund ist durch eine Diabetes-Erkrankung eingeschränkt, Julia Leidinger in Duisburg ist mit der Erziehung ihrer kleinen Tochter ausgelastet. Beide stehen beispielhaft für aktuelle Veränderungen unter den Auszubildenden bei ThyssenKrupp Steel Europe. Der Anteil von Frauen ist gestiegen, im technischen Bereich wurde die Quote sogar auf neun Prozent verdoppelt. Außerdem bemüht sich der Stahlhersteller intensiv, Jugendlichen mit Handicap eine Zukunftsperspektive zu geben.

Trotz seiner Diabeteserkrankung spielt der 17-jährige Fabian Kahlert Fußball in der Jugendmannschaft des SuS Kaiserau auf Landesliga-Niveau und beginnt nun als einer von sieben anderen Azubis mit Handicap den Lehrgang zum Industriemechaniker am Standort Dortmund. Die 22-jährige Julia Leidinger ist seit drei Jahren Mutter und möchte Kauffrau für Büromanagement beim Stahlhersteller werden. Gemeinsam mit 56 anderen kaufmännischen Auszubildenden in Duisburg startet sie in Vollzeit, während ihre kleine Tochter Sophia-Theresa die betriebseigene Kindertagesstätte „Stahlsternchen“ besucht. Beide zukünftige Auszubildende sind ein Glücksfall für ThyssenKrupp Steel Europe, denn mit ihren besonderen Fähigkeiten sorgen sie für Vielfalt in der Belegschaft und bereichern die Teamarbeit. Das gilt auch für die jungen Menschen aus unterschiedlichen Ländern oder mit anderem kulturellen Hintergrund. So verfügen bei ThyssenKrupp Steel Europe viele Auszubildende über einen Migrationshintergrund (fast jeder Fünfte) oder besitzen keinen deutschen Pass (15 Prozent).

Zur Berufsschule gehen, mehrmals pro Woche zum Fußballtraining und sonntags auch noch als Mittelfeldspieler gegen andere Mannschaften kicken – Fabian Kahlert managt all das mit gesundheitlichen Einschränkungen und sorgt darüber hinaus tagtäglich dafür, dass sein Blutzuckerspiegel bei Stress, Hitze und jeder Mahlzeit im Gleichgewicht bleibt. Mit einem etwa handygroßen Gerät reguliert der Teenager mindestens zehn Mal pro Tag seine Werte. Die Umstellung auf das Leben mit der Autoimmunschwäche Diabetes Typ I sei für ihn als damals Zehnjährigen schwer gewesen. „Heute ist das Dabeihaben und Bedienen der Insulinpumpe für mich so selbstverständlich wie für andere das Brillentragen“. Dass er seinen Blutzucker ausgleichen müsse, merke er an Erschöpfung und übermäßigem Durst. Dann brauche er ein paar Minuten, um wieder sich wieder fit zu fühlen. Für die Ausbildung bei ThyssenKrupp Steel Europe hat er sich entschieden, weil ihn Technik begeistert und er gerne tüftelt. Zusammen mit seinem Verantwortungsbewusstsein und seiner Disziplin sind das die idealen Voraussetzungen, Industriemechaniker zu werden, auch mit Handicap. Das Technikzentrum Dortmund ist das Schwerpunktausbildungszentrum für junge Menschen mit psychischen oder körperlichen Einschränkungen. Um jeden von ihnen optimal zu betreuen werden die Ausbilder regelmäßig zu Sonderpädagogen weitergebildet.

Auch für Julia Leidinger gehört als alleinerziehende Mutter gute Organisation zum Alltag. „Mit einem dreijährigen Wirbelwind kann es schon einmal stressig werden, nun kommt auch noch eine Ausbildung in Vollzeit dazu. Zum Glück waren Wirtschaftslehre und Rechnungswesen meine Steckenpferde in der Schule“, sagt die junge Mutter lachend, die sich bewusst für eine frühe Familiengründung entschieden hat und zum Ausgleich mehrmals die Woche Yoga macht. Aufgrund ihrer familiären Verpflichtung habe sie allerdings schon Sorge gehabt, ob sie für die Ausbildung in Frage käme. „Umso mehr freue ich mich, dass die Betreuung meiner Tochter durch die betriebseigene Kita gut organisiert ist und ich von ThyssenKrupp Steel Europe darin unterstützt werde, eine hochqualifizierende Berufsausbildung zu machen.“

„Vielfalt beim beruflichen Nachwuchs ist für uns ein doppelter Gewinn: Einerseits bereichern unter-schiedliche Menschen mit ihren Erfahrungen und Kompetenzen den Unternehmensalltag. Darüber hinaus beweisen gerade Jugendliche, die Herausforderungen und Veränderungen in ihrem Leben mit persönlicher Reife angenommen haben und meistern, entscheidende Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung“, betont Personalvorstand Thomas Schlenz. Neben diesen Eigenschaften haben Julia Leidinger und Fabian Kahlert im Übrigen noch etwas gemeinsam: Der nächste Schritt ins Erwachsenenleben ist bei beiden das Bestehen der Führerscheinprüfung.

Vielfalt und Inklusion im Ausbildungsjahrgang 2015

Vielfalt wird bei ThyssenKrupp Steel Europe bereits in der Ausbildung durch die Beschäftigung junger Menschen mit gesundheitlicher Einschränkung oder familiären Verpflichtungen, verschiedenen Religionen und Nationalitäten gefördert. 20 % des neuen Ausbildungsjahrgangs haben einen Migrationshintergrund. 15 % haben einen nicht-deutschen Pass. Darüber hinaus wurde der Anteil junger Frauen in technischen Ausbildungsberufen auf fast 9 % verdoppelt.
307 Auszubildende starten standortübergreifend am 01. September bei ThyssenKrupp Steel Europe in 22 verschiedenen Ausbildungsberufen, darunter 258 Männer und 49 Frauen. Bildungsstandorte gibt es in Duisburg, Bochum, Dortmund, Kreuztal-Eichen und Finnentrop. Insgesamt bildet ThyssenKrupp Steel Europe derzeit 1.116 eigene Auszubildende aus und übernimmt die Auftragsausbildung für ca. 100 Azubis anderer Unternehmen.

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