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Tagespresse, Fachpresse, 08.08.2014, 11:04

Mehr als nur Tipps und Kniffe

Wissenstransfer: ThyssenKrupp Steel Europe nutzt Erfahrungen älterer Mitarbeiter systematisch

Service Presse ThyssenKrupp Steel Europe
Wissenstransfer mit System: Der 32-jährige Sebastian Meiß (Mitte) im Austausch mit seinen erfahrenen Kollegen Gerhard Grelewitz (l.) und Markus Aben aus dem Team Service der Strangießanlage Beeckerwerth.

Kann man Wissen im Betrieb managen? Und hat Wissensmanagement außerhalb von Hochschulen, zum Beispiel im Stahlwerk, überhaupt etwas zu suchen? Eindeutig mit Ja beantwortet Andrea Bröcher, Fachfrau für Wissenstransfer bei ThyssenKrupp Steel Europe in Duisburg, diese Fragen. Die 59-jährige Diplom-Volkswirtin legt gleich mit Zahlen aus dem Bereich von Deutschlands größtem Stahlhersteller nach. „Allein 200 Wissensgeber, die seit 2006 aus ihrem Job ausschieden, haben wir vorher im Rahmen der Initiative „ProZukunft“ als Ratgeber für jüngere Nachfolger gecoacht.“ Mit ihren jüngeren Kollegen bewältigten sie über Wochen einen Wissenstransfer-Prozess. Bröcher nennt Beispiele. Etwa das von Erich Bergmans. Bevor der ehemalige Betriebsleiter im Team Service der Stranggießanlage Beeckerwerth in den Ruhestand ging, vermittelte er 2010 dem heutigen Senior Engineer Sebastian Meiß (32), seinem Nachfolger, wichtige Kniffe und viel mehr für den Alltag. Meiß: „Es ging auch darum, menschliche Erfahrungen für die neue verantwortliche Rolle im Strangguss weiterzugeben.“ Meiß ergänzt: „Die Wochen mit meinem Wissensgeber waren für mich hoch wertvoll. So viel Gewinn erzielt man durch kein Lehrbuch.“ Mit Bergmans durchdachte er Zukunfts- und Alltagsfragen des Betriebs. Es gab Dreier-Gespräche mit den Moderatoren vom Bildungszentrum des Arbeitgebers in den Wochen vor Bergmans Abschied. Festgehalten wurde alles in einer Jobmap und einem Transferplan.

So fördert ThyssenKrupp Steel Europe Fach- und Führungskräfte in Instandhaltung, Produktion, Vertrieb oder Verwaltung seit acht Jahren. „Wissen darf nicht in Rente gehen, wenn Kolleginnen und Kollegen ihren Arbeitsplatz verlassen“, erklärt Bröcher. Immer weniger Berufstätigen stünden in Zukunft immer mehr Menschen im Ruhestand gegenüber. Deutschlands größter Stahlhersteller gehört einer Umfrage des Bundeswirtschaftsministeriums folgend zu dem knappen Viertel bundesdeutscher Unternehmen, die sich systematisch um die Weitergabe von Mitarbeiter-Wissen an deren Nachfolger kümmern. Im Programm „ProZukunft“, zu dem auch die Begleitung in Sachen Wissenstransfer gehört, geht es für ThyssenKrupp Steel Europe außerdem um Talentmanagement und Fortbildung. Dazu kümmert sich das Werk dabei um die Förderung von Mitarbeitern im Spagat zwischen Beruf und Familie, um Sicherheit und Arbeitsschutz sowie um Fitness und Gesundheitsmanagement.

Welche Bilanz zieht Bröcher acht Jahre nach dem Start des systematischen Wissenstransfers bei ThyssenKrupp Steel Europe? „Rund 500 Wissensgeber und Wissensnehmer haben davon persönlich und fachlich in acht Jahren seit dem Start von ProZukunft profitiert.“ Bundesweit waren es damals nur etwas mehr als eine Handvoll Firmen, die dieses Thema aufgrund der absehbaren demografischen Entwicklung systematisch bearbeiteten. Andrea Bröcher schließt: „Wir sind froh, dass wir auf diese Weise Qualität sichern können. So bleibt erarbeitetes Wissen möglichst umfassend im Unternehmen.“

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