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Tagespresse, 10.06.2014, 11:12

Vor 25 Jahren: „Gorbi“ besucht die Westfalenhütte in Dortmund

Service Thyssen Kurpp Steel Europe
Gorbi in Dortmund: Vor 25 Jahren besuchte Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow die Westfalenhütte.

Noch war Deutschland nicht wiedervereinigt und die Berliner Mauer sollte erst fünf Monate später geöffnet werden. Mit seiner Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umbau) leitete ein Mann das Ende des Kalten Krieges ein und löste große Veränderungen in Osteuropa aus: Michail Sergejewitsch Gorbatschow. In diesen politisch stürmischen und historisch bedeutenden Zeiten kam er nach Dortmund. Dort herrschte Volksfeststimmung als vor 25 Jahren, am 15. Juni 1989, der damalige Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion die Westfalenhütte besuchte. Von den 9.000 Stahlarbeitern in der Halle wurde er mit begeisterten „Gorbi, Gorbi“-Rufen empfangen.

Noch heute erinnert sich Werner Nass, damaliger Betriebsratschef in Dortmund, gern an das Ereignis vor 25 Jahren. In diesen bewegten Zeiten in Europa sei es den Arbeitnehmervertretern um „Diplomatie von unten“ gegangen. Deshalb hätten 35 Betriebsräte einen Brief an Gorbatschow geschrieben. „Darin haben wir unsere Unterstützung für seine Abrüstungs- und Friedensinitiative zum Ausdruck gebracht. Und zur Überraschung Vieler haben wir eine Antwort von ihm bekommen“, erzählt der heute 74jährige. Aus innenpolitischen Gründen habe Gorbatschow damals einen öffentlichkeitswirksamen Auftritt im Ausland gebraucht, erinnert sich Nass anlässlich des Jubiläums. Und der gelang dem späteren Staatspräsidenten der Sowjetunion vor den Stahlarbeitern in der Westfalenhütte auf beeindruckende Weise.

Gorbatschow war gemeinsam mit Ehefrau Raissa auf einer dreitägigen Reise durch Deutschland und besuchte am letzten Tag Dortmund. Hier ging er gleich auf die Menschen zu und fand den richtigen Ton. „Sie als Metallarbeiter und Hüttenwerker wissen, wie schwer es ist, Stahl zu produzieren, welcher Meisterschaft, welcher Arbeit und welchen Schweißes das bedarf. Bessere Beziehungen aufzubauen und diese Beziehungen in das Gleis der besseren Zusammenarbeit zu bringen, das ist eine noch kompliziertere Sache“, betonte der Wegbereiter der deutschen Wiedervereinigung. „Aber ein Arbeiter weiß Bescheid. Er weiß, dass alles durch Arbeit geschaffen wird, dass alles auf ihr ruht.“ Und er schloss mit den Worten: „Gleichgültig, welche Meinung die Politiker oder andere Repräsentanten der Gesellschaft von sich haben: Letzten Endes ist der Grundstein jeder Gesellschaft der arbeitende Mensch.“

Im Rahmen der Veranstaltung in Dortmund wurde auch der Vorschlag aufgegriffen, Gorbatschow für seine Friedens- und Verständigungsbemühungen mit einer besonderen Ehrung auszuzeichnen. Gut eineinhalb Jahre später wurde diese Idee in die Tat umgesetzt: Gorbatschow erhielt den Friedensnobelpreis. Und so erinnert eine Gedenktafel in der heutigen Werkshalle von ThyssenKrupp Steel Europe nicht nur an den Besuch Gorbis vor 25 Jahren, sondern auch an den Wunsch der Hoesch-Belegschaft, den früheren Partei- und Staatschef „zum Friedensnobelpreisträger zu ernennen, der am 10. Dezember 1990 in Erfüllung ging“.

In seinem Werk Westfalenhütte in Dortmund beschäftigt ThyssenKrupp Steel Europe heute ca. 1.250 Mitarbeiter. Der Produktionsbereich am Standort Dortmund mit 637 Mitarbeitern umfasst eine gekoppelte Beiz-Tandemstraße und neben der Contiglühe zwei weitere Veredlungsanlagen sowie eine Haubenglüherei und ein Nachwalzgerüst.

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