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Tagespresse, 17.06.2014, 11:41

Hoffnung für Tschernobyl-Opfer: Azubis von ThyssenKrupp Steel Europe aus Bochum, Dortmund und Duisburg sanieren Schule in Weißrussland

Geschichte aufarbeiten: Zum Programm der Reise gehörte auch der Besuch der weißrussischen Gedenkstätte für kriegszerstörte Dörfer in Chatyn.

„Vor unserem Einsatz in der weißrussischen Schule ließ die Sicherheit für hunderte Jugendliche dort deutlich zu wünschen übrig. Das äußerlich moderne Gebäude war, was elektrische Standards angeht, nicht auf dem nötigen Stand.“ Marius Hartmann (22), Auszubildender bei ThyssenKrupp Steel Europe in Duisburg, schildert, wie er mit neun jungen Kolleginnen und Kollegen sowie ihren Ausbildern die Elektrik in der dreigeschossigen Schule komplett neu installierte. Der Auszubildende für Elektronik/Betriebstechnik war bei einer zwölftägigen Reise mit Jugendlichen aus Bochum, Dortmund und Duisburg in der Schule des Sozialprojekts „Nadeshda“ (auf deutsch „Hoffnung“) tätig. Die jungen Deutschen nehmen nicht nur Eindrücke der anstrengenden Arbeit im Dorf 450 Kilometer entfernt von Tschernobyl mit nach Hause. Begleitet von drei Ausbildern und von Michael Goralski, Teamleiter Technikzentrum Dortmund, gehörte zudem der Besuch einer Gedenkstätte für Opfer der Zerstörung weißrussischer Dörfer durch die deutsche Armee im Zweiten Weltkrieg zum Programm.

Den Besuch hier und ihre Begegnungen mit Menschen im Jugenddorf Nadeshda werden alle nicht vergessen. „Fast 30 Jahre nach dem Tschernobyl-Unglück machen sich in Weißrussland auch diejenigen große Sorgen um ihre Gesundheit, die etwa 15 Jahre nach der Katastrophe geboren sind“, berichtet Hartmann. „Man sieht mir keine Krankheit an“, zitiert er die Worte eines 14-Jährigen. „Und mein großes Ziel ist es, irgendwann einmal auf gleichem Niveau gesund zu sein wie Jugendliche anderswo.“ Und der Auszubildende Justin Krüger bekräftigt: „Es hat Sinn gemacht, gerade diese Schule in vier langen Arbeitstagen elektrisch zu sanieren. Die Jugendlichen im Dorf sind krank, viele haben Krebs“, erzählt der 19-jährige Dortmunder. „Hier spürt man aber, dass sie zwischen Schule, Sport und Freizeit im Dorf Spaß haben und Lebensfreude tanken.“ Nadeshda, einziges nichtstaatliches und mit Sponsoren vernetztes Projekt, verfügt mitten im Naturschutzgebiet über Wohnräume, die Schule und Reha-Einrichtungen sowie über gute Sport- und Freizeitstätten.

Dass das Engagement der Azubis für beide Seiten lohnt, davon ist Michael Goralski, der die Gruppe geleitet hat, überzeugt. In Nadeshda, weiß er, leben Jahrzehnte nach der Reaktorkatastrophe ständig bis zu 700 Kinder und Jugendliche; insgesamt sind es jährlich 4.000 junge Gäste. Die jungen Patienten haben Anspruch auf 24 Tage Urlaub im Jahr, zum Beispiel im Dorf. Sie kommen aus Gebieten, die immer noch radioaktiv belastet sind. Und sie genießen den Tapetenwechsel. Ein Aufenthalt im Dorf, erklärt Goralski, senke die Radium-Werte im Körper der Patienten deutlich.

Fachlich war aus Sicht des Leiters des Dortmunder Technikzentrums auch die Zusammenarbeit mit Gleichaltrigen eines weißrussischen Berufskollegs ein Erfolg. Unterstützt wurden die Deutschen, die bei der Schulsanierung jeweils in Zweiergruppen mit weißrussischen Partnern zusammenarbeiteten, von Dolmetschern in der Schule.

Eine positive Bilanz des Weißrussland-Besuchs zieht auch Marcello Paternoga, Azubi aus Bochum. „Statt Motoren zu warten oder sich mit der Elektrik großer Kräne auseinanderzusetzen war die Komplett-Installation hier eine gute neue Erfahrung. Dass wir hier Kinder kennenlernten, die vom Erholungsprogramm profitieren, hat die Reise bereichert.“ Mit welchem Fazit ist er nach Deutschland zurückgekehrt? „Es hat Spaß gemacht zu sehen, dass die Kinder hier wirklich leben können. Nadeshda ist das einzige Projekt für Tschernobyl-Opfer, das Förderer aus vielen Ländern zusammenführt. Schön, dass wir im Rahmen der Ausbildung dabei waren.“

Auszubildende von ThyssenKrupp Steel Europe haben sich bereits zum sechsten Mal seit 1994 und seit der Gründung des Dorfes Nadeshda in Weißrussland engagiert. Für den Aufenthalt 2014 wurden zehn Azubis in einem Bewerbungsverfahren für das Projekt ausgewählt. Pro Jahr starten 300 Nachwuchskräfte bei ThyssenKrupp Steel Europe ihre Ausbildung an den Standorten Duisburg, Bochum, Dortmund, Finnentrop und Siegerland.

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