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Tagespresse, 04.09.2013, 11:46

20 Millionen Euro Investition in Duisburg-Bruckhausen: ThyssenKrupp Steel Europe modernisiert Konverteranlage samt Abhitzekessel – Neue Anlage ist größer, sicherer und energieeffizienter

ThyssenKrupp Steel Europe investiert 20 Millionen in eines seiner Kernaggregate am Standort Duisburg. In der Zeit vom 3. August bis 17. September 2013 tauscht das Unternehmen im Oxygenstahlwerk Bruckhausen (Ox 1) den ersten von zwei Konvertern sowie Teile des dazugehörigen Abhitze-Kesselsystems aus.

Der Umbau ist ein logistischer Kraftakt: Während die Produktion im Konverter 2 weiterläuft, sorgen rund 1.000 Spezialisten an zwei übereinander liegenden Baustellen für einen reibungslosen Umbau.

Seit 1969 bilden die zwei Konverter im Ox 1 die Basis für die Stahlherstellung in Duisburg-Bruckhausen. In den feuerfest ausgekleideten Stahlgefäßen wird Roheisen unter Zugabe von Schrott und Schlackebildnern zu Rohstahl verarbeitet. Durch das Aufblasen von Sauerstoff werden dabei die im Roheisen befindlichen Begleitelemente wie Kohlenstoff, Silizium, Mangan und Phosphor entfernt. Der Stahl wird dann mit einer Temperatur von 1.700 °C abgestochen. 44 Jahre Dauerbetrieb, rund 211.000 Schmelzen und damit eine Produktion von ca. 80 Millionen Tonnen Stahl haben ihre Spuren am Konverter 1 hinterlassen. Jetzt wird er erneuert.

Für Chris Lindner, Hauptbereichsleiter Stahlwerk bei ThyssenKrupp Steel Europe, ist das Projekt technisch wie organisatorisch eine Herausforderung: „Wir bauen die alten Anlagen aus und montieren die neuen, während der Nachbarkonverter im Normalbetrieb läuft. Wir arbeiten auf zwei Ebenen: am Konverter selbst und gleichzeitig am Abhitze-Kesselsystem, das von der Konverteröffnung bis in eine Höhe von knapp 70 Metern reicht.“

Größeres Fassungsvermögen

Das neue Konvertergefäß ist weltweit eines der größten seiner Art: elf Meter hoch, elf Meter im Durchmesser und etwa 500 Tonnen schwer. Der Feinkornbaustahl für den Konverter wurde im Stahlwerk von ThyssenKrupp Steel Europe in Duisburg-Beeckerwerth erschmolzen und in Duisburg-Hüttenheim ausgewalzt. Aufgrund einer neuen Konstruktionsweise konnte das neue Konvertergefäß deutlich breiter ausgelegt werden. Bei einer unveränderten Chargiermenge von bis zu 400 Tonnen wurde das innere Volumen des Konverters von 218 auf 270 Kubikmeter erhöht. Das zusätzliche Fassungsvermögen ermöglicht eine umweltfreundlichere Prozessführung sowie eine effizientere Energierückgewinnung.

Der logistische Aufwand für den Konvertertausch ist enorm. Gefäß und Tragring wurden vom Anlagenbauer SMS Siemag in Italien gefertigt. Von dort wurde der Konverter in sieben Teilen im April dieses Jahres per Schiff bzw. Lkw im Hafen Walsum und im Stahlwerk Bruckhausen angeliefert.

Spezialisten von ThyssenKrupp manövrieren die massigen Elemente mit einem sechsachsigen Plattformwagen über den Hüttenflur zum Vormontageplatz im Oxygenstahlwerk Bruckhausen.

Dort werden die Einzelteile zusammengefügt, per Hallenkran zu ihrem Bestimmungsort bewegt und montiert.

Bis zu 1.000 Arbeiter sind in die Demontage des alten und die Montage des neuen Konverters sowie des Abhitzekessels eingebunden.

Spezialkran bewegt Kesselsegmente

Direkt über den Arbeiten an der Konverterbühne läuft zeitgleich der Austausch von vier Segmenten des Abhitze-Kesselsystems. Im laufenden Betrieb werden in dem knapp 50 Meter langen wasserdurchspülten Rohrsystem bis zu 2.000 °C heiße Konvertergase auf etwa 500 °C abgekühlt. Dabei entstehender Wasserdampf strömt ins Hüttendampfnetz und wird so anderen Verbrauchern innerhalb des Werkes zugeführt. Das abgekühlte Konvertergas wird gereinigt und dient z. B. als Brennstoff für die Aufwärmöfen der Warmbandwerke.

Die neuen Kesselsegmente wurden von der Essener Anlagenbaufirma Oschatz gefertigt. Sie haben einen Durchmesser von knapp vier Metern. Das schwerste Element wiegt 50 Tonnen. Da der Abhitzekessel in etwa 20 Meter Höhe über der Konverteröffnung positioniert werden muss, schwenken Spezialisten drei der vier auszutauschenden Kesselsegmente am Haken eines Spezialkranes in die Konverterhalle. An der Südseite des Oxygenstahlwerks Duisburg-Bruckhausen steht dafür ein Raupenkran mit 140 Meter langem Ausleger bereit.

45 Tage sind für den gesamten Austausch geplant. Mitte September soll im neuen Konverter die erste Schmelze erzeugt werden.

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