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Tagespresse, 26.10.2015, 15:06

Meister der Verführung: Stummfilmpianist Joachim Bärenz aus Essen tritt bei Filmveranstaltungen von ThyssenKrupp Steel Europe auf – Kostenlose Restkarten sind noch erhältlich

Stummfilmpianist Joachim Bärenz
Mehr als nur Vertonung- Stummfilmpianisten improvisieren auf hohem Niveau. Joachim Bärenz ist einer der erfahrensten Deutschlands.

Wenn der letzte Ton verklungen ist, herrscht meist ein Moment überraschter Stille. Dann ist Joachim Bärenz, einer der letzten Stummfilmpianisten Deutschlands, besonders zufrieden. Denn dann hat er erreicht, dass die Zuschauer ihn in der Dunkelheit des Raumes vergessen haben und in die Film-handlung mit seiner musikalischen Interpretation vollständig eingetaucht sind. Kritiker und Fans sa-gen deshalb über ihn, er vertone nicht nur, er übersetze die Kernaussage von Filmen meisterhaft in Klänge. Im BesucherCentrum von ThyssenKrupp Steel Europe in Duisburg wird der Essener Joachim Bärenz den 1925 gedrehten Stummfilm „Spuk!“ am 27. Oktober und 30. Oktober musikalisch interpretieren. Für diese zwei Filmveranstaltungen sind noch kostenlose Restkarten erhältlich.

Der Meister seines Fachs hat über 46 Jahre lang gelernt, Akzente zu setzen, Dramaturgie aufzubau-en und Stimmungen hörbar zu machen. „Es macht schon Spaß, die Wahrnehmung der Zuschauer subtil steuern zu können“, so Bärenz schmunzelnd. Zum Stummfilm ist der Pianist per Zufall ge-kommen: Als Student der Musikhochschule Frankfurt antwortete er in den 60er Jahren auf einen Aushang und sprang gleich ins kalte Wasser, verließ die Sicherheit der vorgegebenen Noten und wagte erste Gehversuche als Improvisator. Nach seiner erfolgreichen Vertonung einer Jean Renoirs-Retrospektive arbeitete er für viele Kulturinstitutionen und Filmfestivals, entwickelte sich als Künstler und entdeckte bald seine zweite Berufung an der Essener Hochschule Folkwang. Hier begleitete er live die Gruppen der Tanzabteilung, die zeitweise von der Starchoreographin Pina Bausch geleitet wurde. Neben Stummfilmvertonungen für ZDF und Arte bearbeitete er zahlreiche Originalpartituren. Für seine großen Verdienste um die Stummfilmvertonung erhielt er 2003 den Preis der Filmkritik.

Gibt es für einen Profi wie Bärenz, der von Europa bis Asien aufgetreten ist, noch künstlerische Her-ausforderungen? „Ja, internationales Publikum zum einen, denn Chinesen oder Australier haben andere Auffassungen von Komödie und Humor als Deutsche“, so der Stummfilmpianist. Wagemut und Einfühlungsvermögen gehörten deshalb zu den wichtigen Eigenschaften der Improvisation. Zweitens sei es immer knifflig, die Stimmung vieler gleichzeitig auftretender Schauspieler mit Tönen zu definieren: „Stellen Sie sich vor, dass eine Figur auf der Leinwand Zweifel hat, die nächste ihr gut zuredet, ein Dritter scheinbar unbeteiligt beobachtet und eine weibliche Figur traurig ist. Mehrere Emotionen auf einmal einzufangen, ist für mich jedes Mal eine kreative Aufgabe.“

Auf das Stummfilmjuwel „Spuk!“ aus dem ThyssenKrupp Konzernarchiv freue er sich besonders. Auch deshalb, weil er lieber mit selten vorgeführten Stummfilmen arbeite, in die er sich frisch und unvoreingenommen einarbeiten müsse. „Stummfilmklassiker wie ,Nosferatu’ oder ,Metropolis' ken-ne ich mittlerweile in- und -auswendig.“ Mit „Spuk!“ hingegen, mit dem Stummfilm-Star Camilla Horn in der Hauptrolle, wagt Bärenz die Interpretation eines seltenen Streifens. „Dieser Film kann begeistern, ergreifen, bannen und amüsieren“.

Die erste Vorführung mit weiteren Fundstücken aus dem ThyssenKrupp Konzernarchiv findet am 27. Oktober, dem UNESCO „Welttag des audiovisuellen Erbes“, um 18 Uhr statt; die zweite am 30. Oktober um 15 Uhr. Nach „Spuk!“ werden die Filme „Matinee `74“ und „Mini die Dose“ gezeigt. Die Veranstaltungen finden im BesucherCentrum von ThyssenKrupp Steel Europe in Duisburg, neben Tor 1, statt. Eine Anmeldung unter veranstaltung.besuchercentrum@thyssenkrupp.com oder telefo-nisch unter 0203/ 5224408 ist unbedingt erforderlich.

Für beide Aufführungen gibt es noch wenige, kostenlose Restkarten.

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