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Tagespresse, Fachpresse, 21.01.2016, 15:00

Neue Heimat im Siegerland: Amadou Bah aus Guinea sucht seine Chance bei thyssenkrupp – Programm bietet Praktikums- und Ausbildungsplätze für Flüchtlinge

Amadou Bah (21) aus Guinea

Erst kurze Zeit hier und schon Deutscher als die Deutschen? „Er ist morgens um 5.15 Uhr immer der Erste“, erzählt Heinz Joachim Klose. „Wenn er einen späteren Bus nehmen würde, käme er zwei Minuten zu spät und das will er nicht“, berichtet der Leiter des Technikzentrums Siegerland. Die Rede ist von Amadou Bah. Der 21-Jährige ist nach Deutschland geflohen, absolviert im Rahmen des Projekts „Junge Flüchtlinge metalltechnisch qualifizieren“ der IHK Siegen ein Praktikum bei thyssenkrupp Steel Europe. Trotz aller Sprachschwierigkeiten ist er bereits gut integriert, hat hier schon eine Freundin. „Ich möchte in Deutschland bleiben, Siegen ist meine Heimat“, sagt Bah.

Der junge Mann stammt ursprünglich aus einem kleinen Dorf in Guinea. Schwere Kriminalität, Unruhen und Straßenblockaden sind in der Militärdiktatur an der Tagesordnung. So warnt das Auswärtige Amt auch davor, „dass gewaltsame Konflikte zwischen verschiedenen Familienclans oder ethnischen Gruppen jederzeit auftreten können“. Vor drei Jahren verließ Bah das westafrikanische Land, kam über Portugal nach Deutschland und hat im Siegerland Fuß gefasst. „Er lernt schnell und ist sehr engagiert“, lobt Ausbildungsleiter Klose den vorbildlichen Einsatz „seines“ Praktikanten. „Er weiß zu schätzen, dass das eine große Chance für ihn ist.“ Deshalb arbeitet der Einwanderer seit Ende letzten Jahres eifrig an den Werkbänken im Technikzentrum in Kreuztal und macht seine Sache gut. „Wenn es geht, bleibe ich bei thyssenkrupp“, betont Bah, der Industriemechaniker werden möchte. Und für den Praktikanten sieht es gar nicht so schlecht aus, dass er dieses Ziel erreichen kann. Denn auf Grund seiner Leistungen könnte er beim Stahlhersteller weiterhin zum Zuge kommen. „Wir überlegen, ihn an einer Einstiegsqualifikation teilnehmen zu lassen – mit der Option, dass er danach seine Ausbildung bei uns beginnen kann“, so Klose. Für Bah wäre damit die Aussicht verbunden, seine Zukunft im Siegerland zu planen.

Amadou Bah gehört gemeinsam mit zwei jungen Männern Anfang 20 aus dem Kosovo zu den ersten Flüchtlingen, die über ein Praktikum die Möglichkeit eines Einstiegs bei thyssenkrupp erhalten. Mitarbeiter von thyssenkrupp unterstützen die Neuankömmlinge auf vielfältige Weise, z. B. an vielen Orten durch Sachspenden. Darüber hinaus hat der Konzern im vergangenen Jahr angekündigt, dass er zusätzliche Arbeitsplätze für Flüchtlinge anbietet. So werden über die nächsten Monate insgesamt rund 150 Ausbildungsplätze, rund 230 Praktikumsplätze sowie weitere Facharbeiter- und Akademikerstellen an verschiedenen thyssenkrupp-Standorten entstehen. Von den Ausbildungsplätzen entfallen 40 sowie 100 Praktikumsplätze auf thyssenkrupp Steel Europe. Für den Konzern ist Qualifikation vor allem für junge Flüchtlinge ein wesentlicher Schlüssel für Arbeit und damit auch für Integration. Diese gelebte Solidarität hat Tradition bei thyssenkrupp.

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