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Fachpresse, Tagespresse, 28.10.2014, 14:13

Inklusion im Unternehmen: ThyssenKrupp Steel Europe will verstärkt junge Menschen mit Behinderung einbinden – 19-jähriger Schwerhöriger hat Ausbildung in Dortmund aufgenommen

Inklusion bei ThyssenKrupp Steel Europe
David Wagner (r.) hat im Technikzentrum Dortmund seine Lehre begonnen und lässt sich von Ausbilder Tim Kowalke die ersten Tipps geben. Nur an seinem Hörgerät kann man erkennen, dass er mit einer Behinderung lebt.

Inklusion heißt Zugehörigkeit und beschreibt das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung in einem gemeinsamen Umfeld – auch am Arbeitsplatz. In der Ausbildung geht es um das gemeinschaftliche Lernen und Lehren von Jugendlichen mit und ohne Handicap. Seit Jahrzehnten übernimmt ThyssenKrupp Steel Europe eine hohe soziale Verantwortung hinsichtlich der Inklusion und findet an den verschiedenen Standorten Lösungen, Menschen mit Behinderung zu integrieren. Der Stahlhersteller hat sich nun zur Aufgabe gemacht, verstärkt Jugendliche mit Handicap einzubinden und Ihnen einen Ausbildungsplatz anzubieten. Um dieses Ziel zu erreichen und systematisch betroffene Menschen auf diese Möglichkeit hinzuweisen, kooperiert ThyssenKrupp Steel Europe eng mit der Agentur für Arbeit. Aus diesem Programm hat jetzt der erste junge Mann mit Behinderung seine Ausbildung zum Industriemechaniker im Werk Dortmund aufgenommen: der 19-jährige Schwerhörige David Wagner.

Trotz Handicaps voll integriert

Früher in der Schule habe es ihn schon gestört, wenn er immer auf seine Behinderung angesprochen worden sei, erzählt Wagner, der mit einem Hörgerät seine Schwerhörigkeit ausgleicht. Heute gehe er damit souverän um. „Ein Hörgerät ist nichts anderes als eine Brille für Leute mit Sehschwäche“, betont der Fußball-Fan, der trotz der Einschränkungen durch das Hörgerät selbst bei einem Dortmunder Amateur-Verein spielt und ab und zu beim BVB im Stadion sitzt. Seine Fachoberschulreife erwarb Wagner am Rheinisch-Westfälischen Berufskolleg in Essen, der größten Förderschule für Gehörlose und Schwerhörige in Deutschland. Danach ging es für ihn „Schlag auf Schlag“, bis er bei ThyssenKrupp Steel Europe seine Lehrzeit beginnen konnte. Aber so gut laufe es nicht für alle Jugendlichen mit Handicap, weiß der 19-Jährige: „Einige haben richtig Schwierigkeiten einen Ausbildungsplatz zu finden und müssen auch schon mal zwei Jahre warten.“ Umso besser klappte es für den Neuling im Technikzentrum Dortmund, der sagt: „Ich fühle mich hier pudelwohl.“

Mit David Wagner macht ThyssenKrupp Steel Europe den Anfang, im Hinblick auf die Ausbildung gezielter auf Jugendliche mit Behinderung zuzugehen. Das gilt auch für Menschen mit weitergehenden, körperlichen Beeinträchtigungen. „Wir würden uns im Einzelfall anschauen, wie wir den Ausbildungsplatz für eine betroffene Person gestalten und welche Maßnahmen dafür ergriffen werden müssen. Grundsätzlich wäre das aber auch zum Beispiel für einen Rollstuhlfahrer möglich“, erklärt Michael Goralski, Leiter des Technikzentrums Dortmund.

Astrid Neese, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund, begrüßt das Engagement des Unternehmens: „Wir als Agentur für Arbeit engagieren uns auch gerne in anderen Betrieben, die jungen Menschen mit Behinderung eine Chance geben. Es lohnt sich, bei der Suche nach Auszubildenden oder auch Arbeitskräften Menschen mit Behinderung in den Blick zunehmen. Hier gibt es viel Potenzial, das noch nicht ausreichend erkannt wird!“ Interessierte Arbeitgeber werden von speziellen Ansprechpartnern im Arbeitgeber-Service beraten. Auch das Dortmunder Kompetenznetzwerk für Menschen mit Behinderung, in dem sich Arbeitgeber, Bildungsträger, Behindertenwerke und Arbeitsagentur regelmäßig austauschen, bietet Unterstützung (Dortmund.Kompetenznetzwerk@arbeitsagentur.de).

Arbeitsplatz an das Profil des Mitarbeiters mit Behinderung anpassen

ThyssenKrupp Steel Europe verfolgt generell das Ziel, Mitarbeiter mit Handicap in den Betrieben und Abteilungen vollständig zu integrieren und zu halten, d. h. der betriebliche Einsatz steht im Vordergrund. Das gilt gleichermaßen für die Beschäftigten in den betriebseigenen Werkstätten für behinderte Menschen wie im Bereich Serviceleistungen in Duisburg mit Zweigwerkstätten in Dortmund und Bochum. „Wir betrachten bei dem Integrationsprozess nicht nur, wie ein Mitarbeiter lernen kann, mit dem beruflichen Handicap umzugehen. Viel wichtiger ist: Wie kann der Arbeitsplatz an das Profil des Mitarbeiters angepasst werden“, erläutert Personalvorstand Thomas Schlenz die Vorgehensweise bei ThyssenKrupp Steel Europe.

Dieser Prozess wird ganzheitlich begleitet, wobei jeder Fall individuell beurteilt wird. Angefangen von einer Arbeitserprobung der Mitarbeiter, die durch Krankheit oder Unfall ihre bisherige Tätigkeit nur noch eingeschränkt oder nicht mehr ausüben können, werden Maßnahmen abgeleitet. Dies beinhaltet neben Beratung und Schulung dieser leistungsgewandelten Personen auch die Anpassung der technischen Ausstattung am Arbeitsplatz. Das reicht von höherverstellbaren Tischen und behindertengerechten Zugängen über PC-Software für sehbehinderte Menschen bis zum kompletten Umbau von Maschinen in der Produktion. Das sogenannte Scan-Center in Duisburg-Ruhrort, in dem Unternehmens-Daten digitalisiert werden, wurde zum Beispiel speziell für Menschen mit Handicap umgestaltet. Untermauert wird das Thema Inklusion bei ThyssenKrupp Steel Europe durch eine bestehende Integrationsvereinbarung, die die Förderung von schwerbehinderten Menschen durch innerbetriebliche Maßnahmen vorsieht.

Rund 1.560 schwerbehinderte Mitarbeiter bei ThyssenKrupp Steel Europe

Die Integration von Mitarbeitern mit Handicap nimmt einen hohen Stellenwert bei ThyssenKrupp Steel Europe ein. Seit Jahren übersteigt die Beschäftigung von schwerbehinderten und ihnen gleichgestellten Menschen die gesetzliche Pflichtquote von fünf Prozent deutlich. Aktuell arbeiten rund 1.560 Schwerbehinderte bei ThyssenKrupp Steel Europe, davon rund 1.000 in Duisburg und 128 in Dortmund. Das entspricht für das gesamte Unternehmen einem Anteil von mehr als 8,7 Prozent.

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