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Tagespresse, 16.10.2017, 14:32

Erfolgreich in der Werkhalle und am Barren: Andreas Jurzo wagt den Spagat zwischen Ausbildung bei thyssenkrupp und sportlicher Höchstleistung – Ziel des Kunstturners ist die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft

Auszubildender Andreas Jurzo
Erfolgreich in der Werkhalle und am Barren: Andreas Jurzo wagt den Spagat zwischen Ausbildung bei thyssenkrupp und sportlicher Höchstleistung – Ziel des Kunstturners ist die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft

Der Geruch nach Gummimatten, das Gefühl von schmerzenden Armen auf dem Barren und der wiederholte Versuch, das Pferd zu bezwingen – wer erinnert sich nicht mehr oder weniger freudig an den Turnunterricht in der Schule? Für Andreas Jurzo gehören diese Erfahrungen zum Alltag: Sobald der angehende Verfahrensmechaniker seinen Arbeitsplatz im thyssenkrupp-Technikzentrum Siegerland verlässt, geht es zum Training in die Turnhalle – sechs Tage die Woche, vier Stunden pro Tag.

Es ist ein Einsatz, der sich lohnt: Der 19-Jährige ist nicht nur im Endspurt seiner Ausbildung bei thyssenkrupp Steel Europe in Kreuztal-Eichen, sondern auch als Sieger aus dem Pokalwettkampf in Berlin hervorgegangen, der im Sommer im Rahmen des Deutschen Turnfestes stattfand. Mit seiner Mannschaft, der Siegerländer Kunstturn-Vereinigung (SKV), hat er es in der zurückliegenden Saison auf Platz vier in der Bundesliga geschafft. Am 21. Oktober steht nach der Sommerpause die Fortsetzung der Bundesliga-Saison an. Vier weitere Wettkämpfe folgen, bis die Mannschaft ihren vierten Platz zumindest behauptet hat. Viel Einsatz erwarten die Teams in Werk- und Turnhalle von ihrem Kameraden und Kollegen – wie ist das zu schaffen? „Disziplin und Ehrgeiz“, fasst Jurzo zusammen, sind sein Geheimrezept. Der junge Mann weiß seine Leistungen abzurufen und wird daher von seinen Mannschaftskameraden der SKV-Turner ebenso geschätzt wie von seinen Arbeitskollegen bei thyssenkrupp.

Turnhallen in ganz Deutschland sind seine zweite Heimat

„Es ist im Beruf halt genauso wie im Sport“, kommentiert der Auszubildende, der im Stahlbereich von thyssenkrupp auf die Abschlussprüfungen zusteuert: „Von nichts kommt nichts.“ Eine Lehre, die er aus dem Leben zog, denn Jurzo war nicht von Kindesbeinen an eine Sportskanone: „Als Knirps haben mich meine Eltern zum Kinderturnen geschickt, weil ich kaum Körperspannung hatte und mich ständig verletzte.“ Dass sich aus diesem Einstieg eine so erfolgreiche Sportlerkarriere entwickeln würde, hat sich im Laufe der Zeit dann einfach ergeben: „Das Turnen ist immer mehr zu einem Teil von mir geworden.“ In seinen inzwischen 14 aktiven Jahren hat sich Jurzo dem Geräte- und Kunstturnen auf dem Boden, an Pferd, Ringen, Barren, Reck und im Sprung verschrieben. Für weitere Hobbies bleibt keine Zeit, aber das bedeutet für den Vollblutsportler kaum eine Einschränkung: „Ich verbringe fast meine gesamte Zeit in der Turnhalle. Aber da bin ich ja nicht alleine: Meine Freunde und ich trainieren dort gemeinsam.“

Vom erfolgreichen Ausbildungsabschluss bis zum Siegertreppchen

Beruf und Freizeit: Ein Spagat zwischen zwei Welten? Ja, gibt Andreas Jurzo unumwunden zu. An Zeitintensität halten sich die Lebensbereiche fast die Waage. Zwischen Arbeitsplatz und Training ist alles genau durchgetaktet, Präzision gefragt. „Exaktes Handeln durchzieht mein gesamtes Leben. Als Verfahrensmechaniker muss man Arbeitsprozesse genauestens abwickeln, und genauso zählen Technik und Können beim Turnen.“ Und auch Rücksicht ist ein Thema, damit Jurzo alles unter einen Hut bringen kann: So gibt ihm sein Arbeitgeber im Siegerland die Möglichkeit, sein Trainingspensum mit der Arbeitszeit zu verbinden. „Ich bekomme schon manchmal zu hören, dass ich verrückt bin“, so Jurzo. „Aber die Kollegen unterstützen mich gerne. Die meisten haben Respekt vor dem, was ich mache.“

Bei allem Erfolg ist Jurzo noch immer auf dem Teppich geblieben – seine Pläne für die eigene Zukunft sind ehrgeizig, aber realistisch: „Im kommenden Jahr will ich vor allem meine Ausbildung bestmöglich abschließen“, bringt er es auf den Punkt. Mit dem Verein geht es, nun beginnend mit dem Wettkampf Ende Oktober gegen den KTV Straubenhardt, weiter durch die Turnhallen in ganz Deutschland. „Mein persönliches Ziel ist – neben dem beruflichen Erfolg – die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft im nächsten Jahr in Leipzig“, fasst Jurzo seine Pläne für die nächste Zeit zusammen: „Wenn ich meinen Platz dort behaupten kann, bin ich rundum glücklich.“

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