Tagespresse, 30.10.2026, 10:00
Bestandskräftiger Änderungsbescheid zur Förderung stärkt das laufende Dekarbonisierungsprojekt tkH2Steel
- Angepasster Förderbescheid schafft verlässliche Grundlage für die weitere Umsetzung von tkH2Steel
- Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit dieses großen Investitionsprojekts unter erheblich veränderten externen Rahmenbedingungen
- Neue Wasserstoffausschreibung soll in Kürze starten
Duisburg, 30. Oktober 2026. thyssenkrupp Steel hat den Änderungsbescheid zur Förderung seines Dekarbonisierungsprojekts tkH2Steel erhalten. Diese bereits angekündigte Anpassung der Förderauflagen ist jetzt bestandskräftig. Die EU-Kommission hatte zuvor bestätigt, dass die geplanten Änderungen mit dem EU-Beihilferecht vereinbar sind. Die angepassten Förderauflagen ergeben sich aus der Anwendung der bestehenden Regeln auf die veränderten wirtschaftlichen Voraussetzungen. Auf dieser Grundlage bereitet thyssenkrupp Steel eine neue Wasserstoffausschreibung vor, die in Kürze starten soll. Das Unternehmen setzt damit ein klares Zeichen für die Dekarbonisierung der Stahlindustrie sowie für den Einsatz von Wasserstoff und richtet den weiteren Hochlauf seiner Direktreduktionsanlage an den gegebenen Rahmenbedingungen aus.
Förderauflagen berücksichtigen veränderte Marktbedingungen
Die Anpassung der Förderauflagen ist erforderlich, weil sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seit der ursprünglichen Förderentscheidung deutlich verändert haben. Insbesondere der Aufbau des Wasserstoffmarkts bleibt hinter den damaligen Erwartungen zurück. Erzeugungskapazitäten, Transportleitungen und Importwege stehen noch nicht im erforderlichen Umfang zur Verfügung. Zugleich ist grüner Wasserstoff deutlich teurer als ursprünglich angenommen und noch nicht zu wettbewerbsfähigen Konditionen verfügbar.
Diese Entwicklungen wirken sich unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit des Wasserstoffeinsatzes in der Direktreduktionsanlage aus. Die bisherigen Förderauflagen wurden deshalb innerhalb des bestehenden beihilferechtlichen Rahmens an die veränderten Voraussetzungen angepasst. Dabei geht es darum, den Übergang zu einer CO2-reduzierten Stahlproduktion unter wirtschaftlich tragfähigen Bedingungen zu ermöglichen und den Wasserstoffeinsatz an der tatsächlichen Entwicklung des Markts auszurichten.
Die angepassten Förderauflagen berücksichtigen einen schrittweise und flexibleren Hochlauf des Wasserstoffanteils. Die Direktreduktionsanlage ist technisch dafür ausgelegt: Sie kann wahlweise mit Erdgas, Wasserstoff oder einer Mischung aus beidem betrieben werden. Bereits der Erdgasbetrieb ermöglicht eine deutliche CO2-Reduktion von über 50 % gegenüber der heutigen kohlebasierten Hochofenroute. Der Einsatz von Wasserstoff bleibt somit weiterhin der zentrale Bestandteil des geförderten Projekts. Daher bleibt das Ziel unverändert, den Wasserstoffanteil abhängig von Verfügbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Kundennachfrage schrittweise bis zum vollständigen Wasserstoffbetrieb auszubauen und damit die CO2-Emissionen erheblich zu senken.
Diesen Anspruch unterstreicht Philipp Conze, Finanzvorstand von thyssenkrupp Steel: „Mit tkH2Steel setzen wir eines der weltweit größten industriellen Dekarbonisierungsprojekte um. Der angepasste Förderbescheid gibt uns die notwendige Planungssicherheit für den fortschreitenden Bau. Zugleich richten wir den Hochlauf an den realen Marktbedingungen aus. Für uns steht fest: Wir werden CO2-reduzierten Premium-Stahl in Duisburg produzieren. Mit den Anpassungen der Förderauflagen ist ein weiterer wichtiger Meilenstein für die Zukunft von thyssenkrupp Steel erfolgreich umgesetzt worden.“
Neue Wasserstoffausschreibung sichert die nächste Transformationsphase ab
Mit der Anpassung der Förderauflagen liegt die Grundlage für die nächste Wasserstoffausschreibung vor. thyssenkrupp Steel bereitet das neue Verfahren zur langfristigen Versorgung der Direktreduktionsanlage vor. Die Ausschreibung soll in Kürze starten.
Das erste Verfahren hatte bereits wichtige Erkenntnisse zu Preisen, verfügbaren Mengen und Lieferketten geliefert. Diese Erfahrungen sowie die angepassten Förderauflagen fließen in die neue Ausschreibung ein.
Die neue Ausschreibung schafft eine belastbare Grundlage für die spätere Betriebsphase und setzt zugleich ein klares Marktsignal: Mit der Direktreduktionsanlage wird thyssenkrupp Steel zu einem der größten industriellen Wasserstoffabnehmer Europas und schafft damit eine langfristig verlässliche Nachfrage.
Innovatives Anlagenkonzept
Die Arbeiten auf der Baustelle der Direktreduktionsanlage schreiten weiter voran; unter anderem wurden die Schal- und Bewehrungsarbeiten sowie Großbetonagen für den Turm der Direktreduktionsanlage und die beiden Einschmelzer ausgeführt. Das Projekt tkH2Steel wird eine technologisch neue Anlagenkombination in das größte europäische Hüttenwerk integrieren, mit der alle nachfolgenden Prozessschritte ab dem Stahlwerk und somit alle hochwertigen Stahlgüten beibehalten werden können. Die 100 % wasserstofffähige Direktreduktionsanlage mit zwei Einschmelzern hat eine Produktionskapazität von 2,5 Millionen Tonnen direkt reduziertem Eisen pro Jahr. Die Direktreduktionsanlage kann bis zu 3,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen und leistet damit einen unverzichtbaren Beitrag zur Erreichung der nationalen und europäischen Klimaziele. Nicht zuletzt sichert die grüne Transformation viele qualifizierte Arbeitsplätze am Standort Duisburg.
Bildunterschrift: Visualisierung der Direktreduktionsanlage von thyssenkrupp Steel in Duisburg: Der angepasste Förderbescheid schafft eine verlässliche Grundlage für die weitere Umsetzung des Dekarbonisierungsprojekts tkH2Steel.