Transparente Klassifizierung für CO2-reduzierten Stahl
Der Standard betrachtet die gesamte Produktionskette (Cradle-to-Gate) – von der Rohstoffgewinnung über den Energieeinsatz bis hin zur Nutzung von Schrott. Grundlage der Klassifizierung sind zwei zentrale Datenpunkte:
- der CO2-Wert pro Tonne warmgewalztem Stahl und
- der Schrottanteil (Scrap Content) in der Produktion.
Beide Werte werden nach den Vorgaben des LESS-Regelbuchs berechnet. So macht LESS die Dekarbonisierungsfortschritte verschiedener Produktionsrouten mess- und vergleichbar. Für Unternehmen, Kunden und Politik entsteht eine transparente Grundlage, um den Fortschritt auf dem Weg zur Klimaneutralität objektiv zu bewerten.
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Standard zur Klassifizierung von emissionsarmem Stahl
- Berücksichtigung der gesamten Produktionskette inkl. Schrottanteil
- Schafft Transparenz für Industrie, Politik und Kunden
Warum LESS für die Stahlindustrie so wichtig ist – Basis für grüne Leitmärkte
Ein Standard für mehr Klimaschutz und Innovation
Die Stahlproduktion ist weltweit für rund 7–9 % der globalen CO2-Emissionen verantwortlich – in Europa etwa 5 % der Gesamtemissionen. Der Low Emission Steel Standard (LESS) ist ein entscheidendes Instrument, um diese Werte nachhaltig zu senken.
LESS liefert verlässliche, überprüfbare Daten zu Emissionsintensität und Recyclinganteil und ermöglicht es, Primär- und Sekundärstahlproduktion über einen anerkannten Sliding-Scale-Ansatz direkt miteinander zu vergleichen. So werden Fortschritte in der Dekarbonisierung transparent, messbar und nachvollziehbar.
Durch seine technologieoffene Ausrichtung fördert LESS-Innovationen und schafft gleiche Wettbewerbsbedingungen in der Transformation hin zum Unternehmensziel Net Zero 2045. Zudem wurde mit dem LESS-Ansatz eine Basis für die Einführung von grünen Leitmärkten geschaffen.
Vorteile des LESS-Standards:
- Unterstützung der Klimaziele und Dekarbonisierung bis 2045
- Vergleichbarkeit unterschiedlicher Produktionsrouten
- Förderung technologischer Innovationen
- Hohe Transparenz für Kunden und Entscheidungsträger
Unsere LESS-Zertifizierung – gelebte Verantwortung für klimafreundlichen Stahl
thyssenkrupp Steel erhält erstes LESS-Zertifikat und treibt CO2-Reduktion im Stahl voran
thyssenkrupp Steel hat aktiv an der Entwicklung des LESS-Systems mitgewirkt und die erste Pilotzertifizierung der Primärroute erfolgreich abgeschlossen.
Die Verifizierung wurde durch den TÜV Nord vorgenommen. Das bestätigt unsere konsequenten Schritte zur Reduzierung der CO2-Emissionen in der Stahlproduktion.
Die LESS-Zertifizierung ist für uns mehr als eine Anerkennung – sie ist ein Beweis unserer Zukunftsstrategie und dokumentiert den Fortschritt auf dem Weg zu „near-zero emission steel“.
Kunden-Vorteile von LESS auf einen Blick:
- Nachweis konkreter Emissionsminderungsmaßnahmen
- Vertrauen durch unabhängige Verifizierung
- Zukunftssicherheit und Transparenz für Kunden und Partner
- Abbild der Transformation hin zu grünem Stahl
Aktuelle Einstufung nach LESS für warmgewalzten Stahl von thyssenkrupp Steel
Label D – State of the Art mit messbarem Beitrag zur Kreislaufwirtschaft
Unser Stahl wurde in der Hochofenroute mit dem LESS-Label D zertifiziert.
Mit einem nach LESS berechneten Schrottanteil von 13 % leisten wir einen nachweisbaren Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Diese Einstufung entspricht dem aktuellen Stand der Technik, zeigt aber bereits erste verbesserte Emissionswerte. Der Schrotteinsatz wird dabei gemäß der LESS-Methodik berechnet, die in ihrer Berechnungsweise von der Rezyklatquote abweicht. Zur exakten Unterscheidung sind die einzelnen Regelwerke zu berücksichtigen.
Mit der Umsetzung weiterer Transformationsschritte – insbesondere durch den Einsatz einer Direktreduktionsanlage mit Wasserstoff (bluemint® Steel) – streben wir sukzessive höhere LESS-Kategorien an:
- Kategorie C in der Übergangsphase (Erdgasbetrieb),
- Kategorie B im Mischbetrieb (Erdgas und Wasserstoff),
- Kategorie A mit wasserstoffbasierter Direktreduktion,
- und langfristig „Near Zero“, nach vollständiger Dekarbonisierung der Vorkette.
Das LESS-Zertifikat finden Sie im Downloadbereich (rechts) auf dieser Website.
LESS in der Praxis – Prinzipien & Merkmale
Technologieoffen, transparent und zukunftsorientiert
LESS ist technologie-agnostisch – entscheidend sind die tatsächlichen Emissionen und der realisierte Schrottanteil.
Damit berücksichtigt der Standard sowohl Primär- als auch Sekundärrouten und trägt zur fairen Berücksichtigung von Schrottressourcen bei.
Mit einer klar definierten Transformationslogik – von „low-emission steel“ bis „near-zero emission steel“ – schafft LESS-Transparenz, steuert Marktmechanismen zugunsten klimafreundlicher Produkte und schafft eine Berechnungsgrundlage auf der grüne Leitmärkte aufgebaut werden können.
Kernprinzipien von LESS:
- Technologieoffener Ansatz
- Fokus auf reale Emissionsdaten und Recyclinganteile
- Kombination aus Zwischenzielen und langfristiger Klimavision
- Förderung der Kreislaufwirtschaft
LESS im europäischen Kontext
Ein Standard aus Deutschland – für die klimaneutrale Stahlproduktion in Europa
LESS wurde in Deutschland initiiert und im Dialog mit Industrie, Wissenschaft und Politik entwickelt.
Heute wird der Standard von der unabhängigen Organisation LESS aisbl mit Sitz in Brüssel betreut. Diese verantwortet die Weiterentwicklung, Zertifizierungsanerkennung und Transparenz der veröffentlichten Daten.
LESS ist inzwischen EU-weit etabliert und wird von zahlreichen führenden Stahlproduzenten – von Hochofen- bis Elektrostahlwerken – unterstützt.
Wichtige Fakten von LESS:
- Ursprung in Deutschland, heute europäischer Standard
- Verwaltung durch unabhängige Organisation in Brüssel
- Breite Unterstützung durch Stahlunternehmen in ganz Europa
- Wegbereiter für eine klimaneutrale Industrie
