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Tagespresse, 02.04.2026, 09:00

Ein Unternehmer mit „funkelnden Augen“ und „scharfem Geist“: Der Todestag von August Thyssen jährt sich am 4. April zum 100. Mal

  • 100. Todestag von August Thyssen, einem Unternehmer, der den Stahl zum Herzstück des Ruhrgebiets machte.
  • August Thyssen als früher Architekt einer integrierten Wertschöpfungskette – mit Wirkung bis heute.
  • thyssenkrupp Steel, heute Deutschlands größter Stahlkonzern, fußt auf dem unternehmerischen Erbe August Thyssens.

Duisburg, 2. April 2026 – Seine Augen „funkeln vor Geist und Scharfsinn“, alles, was er sage, sei „außerordentlich interessant“: So porträtierte der französische Journalist Jules Huret im Jahr 1906 den Unternehmer August Thyssen. Der ehrgeizige, fleißige und zugleich bescheidene Patriarch, der das Ruhrgebiet wie kaum ein anderer prägte, starb am 4. April 1926 im Alter von 83 Jahren auf Schloss Landsberg. In diesem Jahr jährt sich sein Tod zum 100. Mal.

August Thyssen zählt zu den prägenden Gestalten der deutschen Industrialisierung. Mit seinem Gespür für große industrielle Zusammenhänge formte er ein Unternehmen, das die wirtschaftliche Entwicklung des Ruhrgebiets maßgeblich beeinflusste. Seiner Zeit war er in vieler Hinsicht voraus – auch politisch: Huret überlieferte seinen Wunsch nach „freundlichen Beziehungen“ zwischen Deutschland und Frankreich, ein Gedanke, der Jahrzehnte später in der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl Gestalt annahm.

8000 Taler als Startkapital – und eine Vision für das industrielle Ruhrgebiet

August Thyssen wurde am 1. Mai 1842 in Eschweiler geboren. Von seinem Vater, einem Stahldrahtfabrikanten und Bankier, erhielt er 8000 Taler Startkapital – Geld, das er mit bemerkenswerter Konsequenz in den Aufbau eines eigenen Unternehmens lenkte. Nach ersten unternehmerischen Schritten gründete er 1871 in Mülheim an der Ruhr das Bandeisen-Walzwerk Thyssen & Co. und legte damit den Grundstein für einen der später größten Kohle-, Eisen- und Stahlkonzerne der Welt.

Früh verstand Thyssen, dass industrielle Stärke nicht allein durch einzelne Werke entsteht, sondern durch die Kontrolle aller Wertschöpfungsstufen. Schritt für Schritt integrierte er Verarbeitung, Maschinenbau, Bergbau und Erzversorgung in sein Unternehmen. 1891 übernahm er die Steinkohlenzeche „Gewerkschaft Deutscher Kaiser“ und baute sie zu einem integrierten Hüttenwerk aus – ein Meilenstein auf dem Weg zu einem vertikal organisierten Großkonzern. Die Strategie machte das Unternehmen unabhängiger, effizienter und weniger konjunkturanfällig. Im Dezember 1891 wurde im Stahlwerk Bruckhausen – dem heutigen Oxygenstahlwerk 1 von thyssenkrupp Steel – der erste Stahl erschmolzen.

Stahl als Leitindustrie – und Thyssen als Treiber der Skalierung

Während andere Industrielle – etwa Krupp – stärker auf Forschung und Spezialtechnologien setzten, verfolgte August Thyssen konsequent den Weg der Skalierung und der vertikalen Integration: große Kapazitäten, breite Märkte, verlässliche Logistik, kosteneffiziente Produktion. Damit trug er entscheidend dazu bei, Stahl zur Leitindustrie des Ruhrgebiets und zu einem Motor ökonomischer Entwicklung zu machen. Seine Werke in Hamborn und Bruckhausen zählten rasch zu den bedeutendsten Stahlstandorten Europas.

Logistik als Schlüssel zum Erfolg

Thyssen erkannte früh, wie wichtig leistungsfähige Transportwege für einen Stahlkonzern waren. Die Lage seiner Werke am Rhein, eigene Transportkapazitäten und ein eng verzahntes Netz von Bahn- und Wasserwegen schufen eine damals hochmoderne industrielle Infrastruktur – ein Vorläufer des logistischen Rückgrats, das thyssenkrupp Steel auch heute noch auszeichnet.

Ein Unternehmer mit Sinn für Verantwortung

Bei aller Geschäftstüchtigkeit war August Thyssen ein Mensch mit ausgeprägtem Verantwortungsgefühl für die Region. Seine Stiftung finanzierte unter anderem das Franziskushaus in Mülheim, die Marienkirche und das alte Stadtbad an der Ruhr. Für seine Familie hatte August Thyssen wenig Zeit, er lebte für die Arbeit. Er galt als bescheidener und sparsamer Mensch, der um seine Person wenig Aufheben machte. „Ich glaube aber wohl, ohne mich dabei zu überheben, sagen zu dürfen, dass von meiner Lebensarbeit die Allgemeinheit mehr Vorteile gehabt hat als ich selbst“, blickte der Unternehmenslenker im Alter auf sein Leben zurück. Damit hat er nicht übertrieben: thyssenkrupp Steel Europe ist heute der größte Stahlhersteller Deutschlands und ist gestern wie heute einer der wichtigsten Arbeitgeber im Ruhrgebiet – ein Erbe, das unmittelbar auf die unternehmerische Weitsicht August Thyssens zurückgeht.

Literaturverweis:
Jules Huret und Dirk Hallenberger: Das Revier um 1900. Zu Besuch in der „reichsten Gegend von ganz Deutschland“. Verlag Henselowsky u. Boschmann.

Kontakt

thyssenkrupp Steel Europe AG

Kaiser-Wilhelm-Straße 100

47166 Duisburg

Telefon +49 (0)203 52-0

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