Sehr gerne, mein Name ist Matthias Eikelmann und ich bin 42 Jahre alt. Obwohl ich keinen technischen Beruf erlernt habe, komme ich aus einer Stahlfamilie. Mein Vater ist Diplomingenieur und hat viele Jahrzehnte im Stahlbereich und auch bei thyssenkrupp Steel gearbeitet, was er wiederum von meinem Großvater in die Wiege gelegt bekommen hat. Ich bin also mit Stahl aufgewachsen und habe immer eine gewisse Vertrautheit mit diesem Werkstoff gehabt. Das Interesse an Stahl und der Wunsch, in dieser Branche zu arbeiten, war immer in mir vorhanden.
Der Gedanke, mich beruflich in diese Richtung zu entwickeln, kam erst später. Ich stieß auf eine Stellenanzeige von thyssenkrupp Steel, in der freiberufliche Guides gesucht wurden. Anfangs hatte ich Bedenken, weil ich dachte, es könnte schwierig sein, technische Fragen fachkundig zu beantworten. Aber die Kolleg:innen im Besuchercentrum haben mir diese Angst schnell genommen. Die Einarbeitung war wirklich hervorragend, und ich wurde mit allem ausgestattet, was ich brauche, um die Touren erfolgreich durchzuführen. So wurde ich Teil des Teams und führe nun seit einem Jahr mit Begeisterung Besucher:innen durch unser Werk.
Ein typischer Arbeitstag beginnt für mich schon vor Beginn der Werksbesichtigung. Zuerst bereite ich mich in Ruhe vor, indem ich das Besuchsprogramm anschaue und prüfe, welche Aggregate bei der Tour angefahren werden. Dann schaue ich mir die Teilnehmerliste an, um zu wissen, wie viele Gäste angemeldet sind und ob besondere Anforderungen bestehen.
Die Vorbereitung umfasst auch das Bereitlegen der Führungsfunkanlagen, die wir nutzen, um den Teilnehmer:innen während der Tour Informationen zu geben. Wenn die Gäste ankommen, begrüße ich sie herzlich und registriere sie. Danach führe ich die Gruppe in unser 300-Grad-Kino, wo wir unseren Produktionsfilm zeigen. Der Film gibt einen schematischen Überblick darüber, was ein Hüttenwerk ist, was wir herstellen und wie wir es tun.
Ein weiterer wichtiger Teil der Vorbereitung ist das Zeigen eines Sicherheitsfilms. Da wir ein produzierender Betrieb und kein Museum sind, gelten hohe Sicherheitsanforderungen für uns Guides und für unsere Gäste. Nach dem Film erhalten die Gäste ihre Schutzausrüstung, bestehend aus Helm, Brille und Schutzweste, und wir steigen in den Bus, um die Werkstour zu beginnen.
Die wichtigste Voraussetzung ist die Freude am Umgang mit Menschen. Wenn du gerne mit Menschen arbeitest und kommunikativ bist, hast du die beste Basis für diesen Job. Alles andere, insbesondere die technischen Hintergründe, kann man lernen.
Körperliche Fitness ist ebenfalls wichtig, da man große Distanzen zu Fuß zurücklegen muss. Es geht oft Treppen rauf und runter, und das Gelände ist groß. Sprachkenntnisse, insbesondere Englisch oder eine weitere Fremdsprache, sind von Vorteil, aber kein Muss. Teamfähigkeit ist essenziell, denn man muss sich jederzeit auf seine Kolleg:innen verlassen können und umgekehrt.
Der Job als Guide lässt sich sehr gut mit dem Studium vereinbaren. Dank der flexiblen Planung kann man seine Arbeitszeiten auf den Vorlesungs- und Klausurenplan abstimmen. Man trägt seine Verfügbarkeiten in ein Online-Tool ein und kann so stressfrei arbeiten.
Außerdem bietet der Job die Möglichkeit, wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Menschen zu sammeln und seine Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern. Man lernt viel über die Industrie und die Prozesse der Stahlherstellung, was auch für das spätere Berufsleben von Vorteil sein kann. Und natürlich ist man mit einem Fuß bereits in der Tür bei einem der größten Stahlproduzenten in Europa.
Das Kennenlernen beginnt mit einem Vorstellungsgespräch und einer Schnuppertour, bei der man die Abläufe im Besuchercentrum kennenlernt. Bei beiderseitiger Zusage folgen Workshops, in denen das nötige Wissen über die technischen Abläufe und Prozesse gemeinsam erarbeitet wird. Anschließend geht es ins praktische Training, bei dem man mit einem erfahrenen Guide die Touren durchführt und Feedback erhält.
Dieser Prozess ist individuell und jeder kann in seinem eigenen Tempo lernen. Niemand wird unter Druck gesetzt, innerhalb kurzer Zeit alles zu beherrschen. Es geht darum, die Inhalte und Abläufe gründlich zu verstehen und sicher zu vermitteln. Während der Einarbeitung erhält man kontinuierlich Unterstützung und Feedback, was sehr hilfreich ist.
Ein besonders einprägsamer Moment war, als ich mit einer zunächst eher weniger interessiert wirkenden Gruppe das Oxygenstahlwerk besuchte. Als wir live miterlebten, wie Konverter Nummer 3 mit Schrott und flüssigem Roheisen befüllt wurde, waren die Teilnehmer:innen völlig fasziniert. Der Funke sprang buchstäblich über, und sie waren begeistert. Es war beeindruckend zu sehen, wie dieser Moment die Gruppe fesselte und ihr Interesse weckte. Das war ein sehr erfüllendes Erlebnis für mich.
Ein anderer schöner Moment war, als sich zwei Teilnehmer:innen nach der Tour herzlich bei mir bedankten und mir die Hand gaben – trotz der Tatsache, dass meine Hand staubig war. Sie haben sich wirklich von Herzen für die tolle Tour bedankt und gesagt, dass sie es nie erwartet hätten, dass es so interessant sein würde. Diese Anerkennung und Wertschätzung sind sehr motivierend und machen die Arbeit besonders erfüllend.
Die Unternehmenskultur bei thyssenkrupp Steel ist geprägt von Zusammenarbeit, Unterstützung und einem starken Gemeinschaftsgefühl. Jeder unterstützt sich gegenseitig, und ich habe das Gefühl, Teil eines großen Ganzen zu sein, das gemeinsam auf ein Ziel hinarbeitet. Es herrscht eine offene und freundliche Atmosphäre, in der neue Ideen und Vorschläge willkommen sind. Ich fühle mich wertgeschätzt und gut aufgehoben.
Ich sehe mich als Transporteur der Idee und Vision von thyssenkrupp Steel. Meine Aufgabe ist es, den Besucher:innen zu vermitteln, wie wir aktuell Stahl erzeugen und welche Transformationen wir für die Zukunft planen, insbesondere in Bezug auf Direktreduktion und Wasserstoff. Es ist einer der größten Wandlungsprozesse in der Geschichte des Unternehmens, und ich freue mich, den Menschen diese wichtige Entwicklung näherzubringen und sie mit dem guten Gefühl zu entlassen, dass wir uns engagieren – für die Region, die Umwelt und die Zukunft. Das macht mich zur #nextgenerationsteel.