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Fassaden sind Ansichtssache

Mit Bausystemen aus Stahl lassen sich Gebäudehüllen wirtschaftlich realisieren und energetisch optimieren. Integraler Bestandteil der Architektur ist ihre Farbgebung.

(Text: Judy Born; Fotos: Julia Unkel / Rainer Kaysers)

Wer hätte je gedacht, dass ausgerechnet ein Bauwerk aus Stahl zum Synonym einer Metropole, ein Turm zum Symbol einer ganzen Nation werden würde? Am allerwenigsten wohl sein Erbauer und Namenspatron, Gustave Eiffel. Seine Stahlskelettbauweise wurde nach der Pariser Weltausstellung zum Standard für den Bau von Hochhäusern und ermöglichte den Gebäuden in immer schwindelerregendere Höhen zu wachsen.

Fast 130 Jahre und viele Baustile später ist Stahl aus dem Bauwesen nicht mehr wegzudenken, insbesondere im modernen Gewerbe-, Geschoss- und Industriebau. Die Anforderungen sind gestiegen: Nicht mehr allein die Funktion und Ästhetik bestimmen das Bauen, sondern die Nachhaltigkeit. Die Verantwortung für Architekten, Ingenieure und vor allem für die Hersteller von Baustoffen ist enorm.

Ressourcen sparen

Verwaltungsgebäude
Verwaltungsgebäude
Ort: Zuidland / Niederlande
Architekt: HDK Architekten
Baujahr: 2014
Oberfläche: pladur® Wrinkle, pladur® Daylight

Der geringe Einsatz von Rohstoffen und die energiesparende Produktion der Materialien müssen schon bei der Planung bedacht werden. Errichtung wie auch später der Betrieb des Gebäudes sollen so umwelt- und sozialverträglich wie möglich ablaufen, Sicherheits- und Brandschutzregularien selbstverständlich erfüllt werden. Verlangt werden eine kurze Bauzeit bei möglichst langer Nutzungsdauer sowie ein kostengünstiger Unterhalt.

Bauelemente aus Stahl können all diese Anforderungen erfüllen. Die Nachfrage nach wärmegedämmten Sandwichelementen, Trapez- und Vorhangsfassaden wie Siding Plus im modernen Gewerbe- und Industriebau steigt. Nicht zuletzt können Stahlkonstruktionen ohne Schwierigkeiten demontiert und zu 100 Prozent recycelt werden.

Helmut Hachul

Wir brauchen in Zukunft energieautarke Gebäude.

Helmut Hachul, FH Dortmund, Fachbereich Architektur

Doch oft ist das gar nicht nötig: Denn für die Haltbarkeit des Gebäudes sorgt der hochwertige Korrosionsschutz, für die optische Langlebigkeit steht Qualitätsstahl in allen erdenklichen Farben und Dessins zur Verfügung. „Unsere Gestaltungsmöglichkeiten sind hier sehr vielfältig“, sagt Axel Pohl, Head of Sales, End-User-Industries bei thyssenkrupp. „Das gilt für Farbtöne, Haptik, Textur und Dessins.“

Vielfalt ermöglichen

Nordsternschule
Nordsternschule
Ort: Frederikshavn / Dänemark
Architekt: Arkinord A/S, Arkitema Architects
Baujahr: 2013
Oberfläche: feuerverzinktes, gelochtes Stahlblech

Unter dem Produktnamen pladur® stellt thyssenkrupp den Kunden mit Lack oder Folien beschichteten Qualitätsstahl zur Verfügung. Stehen bei den lackierten Produkten Farbe, Glanz und Textur im Vordergrund, sind es bei den folienbeschichteten Produkten hauptsächlich Dekoranmutungen. „Mit unserem neu entwickelten pladur® Impress bieten wir unseren Kunden nun zusätzlich eine bis dato noch nicht bekannte Dessinvielfalt.“

Der Vorteil: Hierfür werden prozessbedingt keine vierstelligen Laufmeterzahlen mehr benötigt. „So können wir unserem breiten Kundenkreis neben großen Losgrößen jetzt auch kleinere, auf den Kunden und das Bauvorhaben zugeschnittene Mengen anbieten.“

Einer dieser Kunden ist Hoesch Bausysteme. Die ehemalige Bauelemente-Sparte von thyssenkrupp wurde 2012 an die irische Holding Kingspan verkauft. „Unser größter Geschäftsbereich ist sicher die Produktion von Sandwichpaneelen“, sagt Ulrich Reidenbach, Management Director Sales von Hoesch Bausysteme. „Wir versuchen, das Thema Gebäudehülle jedoch möglichst umfassend abzudecken. So kümmern wir uns um Isolierungen, stellen eigene Dämmstoffe wie unseren neuen Dämmkern QuadCoreTM her und bieten Fenster- und Lichtkuppelsysteme an.“

Neben Sandwichelementen werden beim Bauen mit Stahl vor allem Trapezbleche und vorgehängte Metallfassaden verwendet. Ein lineares Bauteil, das als vorgehängtes und hinterlüftetes Fassadenelement diagonal, horizontal und vertikal einsetzbar ist. „Sidings sind einfach zu montieren und bieten vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten“, so Reidenbach. Die Korrosions- und UV-Beständigkeit der Stahlfassaden ist dabei ein wesentliches Qualitätsmerkmal.

Außerdem muss sich das Material sehr gut weiterverarbeiten lassen, da es im flachen Zustand lackiert, aber erst danach in Form gebracht wird. Die Beschichtung muss somit umformbar, ästhetisch, aber auch verschleißfest sein. „Und hier sind wir wieder gefragt“, sagt Pohl. „Denn aus unserem Halbzeug fertigen Kunden wie Hoesch ihr Endprodukt, das später an den Fassaden zu sehen ist.“

Axel Pohl

Unsere Gestaltungsmöglichkeiten sind vielfältig.

Axel Pohl, Head of Sales, End-User-Industries, thyssenkrupp

Nutzen bekanntmachen

Bis es dazu kommt, ist viel Vorarbeit nötig. Architekten und Bauherrn müssen die Vorteile von Stahlfassaden lange vor der Planung eines Gebäudes kennen. Sandwichpaneele etwa kommen vorgefertigt auf die Baustelle, wodurch Fehler, die bei der Montage entstehen können, minimiert werden. Zudem lassen sich so extrem kurze Bauzeiten realisieren. Sandwichpaneele besitzen eine hohe Tragfähigkeit, sehr gute Dämmeigenschaften und erfüllen die Anforderungen an den Brandschutz.

Neben der Architekturberatung bietet der Stahlbereich von thyssenkrupp den Planern und Architekten einen speziellen Produktordner an, in dem Teile des pladur®-Portfolios enthalten sind und der kontinuierlich erweitert wird. Die Sammlung enthält hochwertige Originalmuster und informiert über Eigenschaften der Materialien, die sich besonders für Industrie- und Geschossbauten eignen.

Stahlfassaden studieren

Büro- und Betriebsgebäude
Büro- und Betriebsgebäude
Ort: Schweinfurt / Deutschland
Architekt: Schlicht Lamprecht Schröder
Baujahr: 2015
Oberfläche: Patinax/Corten

Noch viel früher setzt Professor Helmut Hachul an der Fachhochschule Dortmund an. Er übernahm dort 2006 die von thyssenkrupp gestiftete Professur für Metallbau und etablierte in dieser Funktion den Masterstudiengang „Gebäudehüllen aus Metall“. Besonders gereizt hat ihn der hochtechnologisierte Feinblechbereich: „Ein Material, das sich auf viele Arten umformen lässt und das dadurch an Stabilität gewinnt“, sagt Hachul. „Mit ihm lassen sich Bauelemente dünner dimensionieren und Ressourcen schonen. Und ich kann es mittlerweile vielseitig gestalten.“

Stahlfassaden, insbesondere Sandwichelemente, erfreuen sich auf dem Markt großer Beliebtheit. Für die Studierenden in Dortmund bedeutet das, Flächen nicht nur zu gestalten, sondern sie auch zu ertüchtigen. So gibt es Forschungen, wie sich Photovoltaik und Solarthermie in die Außenhülle integrieren lassen. „Wenn die Rohstoffe schwinden, werden wir energieautarke Gebäude haben müssen“, so Hachul. Im Bereich der Oberflächen können Planer heute Stahlfassaden wählen, die eine gewisse Atmosphäre ausstrahlen.

Unser größter Geschäftsbereich ist sicher die Produktion von Sandwichpaneelen.

Ulrich Reidenbach, Management Director Sales, Hoesch Bausysteme

„Die Architektur sollte dem Menschen dienen. Ich betone das deshalb, weil es sich bei Industriebauten um eine großflächige Architektur handelt, mit hohen Fassaden, die weithin sichtbar sind.“ Gefragt sind Gebäude, die in Harmonie mit der Umgebung existieren. „Ich möchte eine Bauweise vermitteln, die den Bürger achtet, der mit diesen Bauten leben muss.“

Drei Fragen an: Prof. Dr. Helmut Hachul

Prof. Dr. Helmut Hachul
Helmut Hachul leitet den Lehrstuhl für Metallbau an der FH Dortmund

Sie lehren und forschen über Gebäudehüllen aus Metall. Warum?

Als Architekt faszinieren mich Stahlkonstruktionen, Stahl ist extrem facettenreich. Wir können damit einen exzellenten Leichtbau betreiben und das Thema Ressourcenschonung angehen. Gestört hat mich, dass lange nur auf Kosteneffizienz, nicht aber auf die Gestaltung geachtet wurde. Das verändert sich, nicht zuletzt durch Unternehmen wie thyssenkrupp und natürlich unsere Absolventen.

Worin sind Fassaden aus Stahl anderen Materialien voraus?

Sie sind extrem tragfähig, leicht, wandlungsfähig, beständig. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind enorm. Wie bei allen Bauweisen gilt auch hier: Die Gestaltung leidet, wenn ich nur aufs Geld schaue. Gebäude sind das Nachhaltigste, das wir bauen. Sie stehen unglaublich lange im öffentlichen Raum. Die Halbwertzeit bei Autos ist da wesentlich geringer.

Was wird sich künftig für Architekten ändern?

Die Interdisziplinarität wird steigen. Auf den Stahl bezogen, werden wir Gebäude in Zukunft mit Chemikern, Mechatronikern, Elektroingenieuren planen. Auch bei den Beschichtungen wird sich noch vieles tun. Davon abgesehen, werden Wirtschaftlichkeit, Energieeffizienz und Individualisierung noch wichtiger, sowohl im Industriebau als auch bei städtischen und privaten Gebäuden.

Drei Fragen an: Ulrich Reidenbach, Hoesch Bausysteme

Ulrich Reidenbach
Je besser das Kundenverständnis, desto repräsentativer das Ergebnis: Axel Pohl (l.) und Ulrich Reidenbach.

Was sind die großen Herausforderungen im Bauwesen?

Ganz klar die Digitalisierung. Sowohl in der Bau- als auch in der Zulieferindustrie. Außerdem verlangen stetig wachsende Anforderungen an Wärme- und Brandschutz kontinuierliche Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Ein Paradebeispiel dafür ist das neu entwickelte Schaumsystem QuadCore, das derzeit über die besten Dämmeigenschaften verfügt.

Worin liegen die Anforderungen Ihrer Branche?

Wir haben oftmals Lieferzeiten von weniger als drei Wochen. Kurzfristige Bestellungen sind bei unseren Kunden keine Seltenheit. Deswegen ist es unser Anspruch und zugleich Qualitätsmerkmal unseres Service, kurze Wege und Flexibilität zu bieten. Bei der Lieferung unserer Fassadenelemente wie auch des passenden Zubehörs rund um Tageslichtlösungen wie etwa Lichtkuppeln, Fenster und Rinnensysteme.

Ihre Firma gehörte mal zu thyssenkrupp. Wie ist das heute?

Als thyssenkrupp vor einigen Jahren seinen Geschäftsbereich für Bauelemente verkaufen wollte, übernahm 2012 die irische Holding Kingspan das gesamte Unternehmen. Der eingeführte und international hochgeschätzte Name Hoesch Bausysteme wurde beibehalten. Wir haben zwar einen neuen Mutterkonzern, treten aber als eigenständige Marke auf.

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