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Chrom(VI)-freie Beschichtungstechnologie für Verpackungen aus Weißblech

Veredelungsanlage VA13 für Verpackungen aus Weißblech

thyssenkrupp Rasselstein investiert in eine hochmoderne Veredelungsanlage für spezialverchromten Verpackungsstahl.

Fotos: thyssenkrupp Steel Europe Fotografie

Eine hochmoderne Veredelungsanlage für Verpackungsstahl entsteht derzeit bei thyssenkrupp Rasselstein in Andernach. Dort wird ab 2022 Feinstband nach einem innovativen Verfahren spezialverchromt. Die neue Beschichtungstechnologie namens Trivalent Chromium Coating Technology (TCCT) basiert auf Chrom(III) anstelle des bisher üblichen Chrom(VI). Damit bietet das Unternehmen seinen Kunden in Kürze ein zukunftssicheres Produkt zur Herstellung von verchromten Stahlverpackungen, das den Vorgaben der EU-REACH-Verordnung entspricht.

Mit der Investition im dreistelligen Millionenbereich setzt thyssenkrupp Rasselstein weiter auf Nachhaltigkeit, Prozess-Effizienz, Qualität und Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig können auf diesem Wege die Maßnahmen zum Gesundheits- und Umweltschutz weiter verbessert werden.

Aus Stahl wird Weißblech und schließlich eine Dose

Ob Deckel und Böden für Tiernahrungsdosen, Ventilteller auf Aerosoldosen, Kronkorken oder Druckfarbendosen – für Stahlverpackungen unterschiedlichster Art wird die moderne Veredelungsanlage spezialverchromtes Feinstblech liefern. Dank der hauchdünnen Beschichtung der Oberfläche ist das Material für die weitere Verarbeitung bestens vorbereitet und vor Korrosion geschützt.

Das neue Verfahren zur Herstellung von spezialverchromten Material - TCCT - ersetzt in der Produktion Chrom(VI) durch dreiwertiges Chrom. „Die Technologie fußt auf einem Patent der Tata Steel Ijmuiden. Hieran haben wir eine Lizenz erworben“, berichtet Oliver Hoffmann. In der Weiterentwicklung des Verfahrens sei dann die in Andernach bestehende Kompetenz bei der Herstellung von spezialverchromten Feinstblech wesentlich gewesen: „Wir konnten unsere Erfahrung in einem gemeinsamen Technologie-Team einbringen und das Verfahren dadurch weiterentwickeln“, erklärt er. Und davon sollen zukünftig die Kunden profitieren – und das Unternehmen selbst.

Veredelungsanlage VA13 für Verpackungsstahl
Die Veredelungsanlage wird spezialverchromtes Feinstblech für Stahlverpackungen unterschiedlichster Art liefern. Von links: Oliver Hoffmann, Vorstand Technik bei thyssenkrupp Rasselstein und Paul Michels, Projektverantwortlicher der neuen Veredelungsanlage VA13

Chrom(VI)-freie Fertigung ab 2022

Für die Produzenten von Stahlverpackungen bietet das Unternehmen künftig eine REACH-konforme Lösung, die im Erscheinungsbild und bei der Verarbeitung mit dem herkömmlichen ECCS-Material (Electrolytical chromium-coated steel) vergleichbar ist und entscheidende Vorteile hat:

  • sehr gute Haftung an organischen Beschichtungen
  • sehr gute Benetzbarkeit
  • geeignet für anspruchsvolle Umformungen
  • kompatibel mit Sterilisation, keine Marmorierung
  • stabiler und unkomplizierter Prozess
  • im Industriemaßstab bewährter Prozess
  • TCCT-Spezifikationen sind in gleicher Weise verfügbar wie ECCS-Spezifikationen

Innovationsschub mit Energiespar-Effekt

Paul Michels, Projektverantwortlicher für die neue Veredelungsanlage VA13, über die Investition: "Schon heute lassen die Fassaden aus Stahl auf unserem Gelände erkennen, wie groß unsere neue Produktionsstätte werden wird." 10.000 Quadratmeter, gut anderthalb Fußballfelder, umspannt der Neubau, in den das Unternehmen insgesamt einen dreistelligen Millionenbetrag investiert. „Alle wichtigen Meilensteine sind zur Zeit im Plan. Die Produktion startet mit einer Hochlaufphase im zweiten und dritten Quartal 2022", sagt er voraus.

Dann wird in der VA13 das Feinstblech in einem elektrolytischen Bad an der Oberfläche mit einer nur nanometer-dünnen Schutzschicht beschichtet. Das wird den Ressourceneinsatz senken. Ein weiterer Vorteil der modernen Anlage: "Wir werden in jeglicher Hinsicht auf dem neusten Stand sein – sowohl, was den Energieverbrauch angeht, als auch hinsichtlich des Arbeitsschutzes", sagt Michels. Was ebenso wegweisend ist, verrät Oliver Hoffmann: "Zukünftig können wir mit einem erweiterten Produktionsspektrum arbeiten." Das bedeutet, dass bald noch breitere und dünnere Bleche, die noch fester und robuster sind, als Vormaterial für Dosen vom Gelände gefahren werden. "Davon profitieren natürlich auch unsere Kunden. Zudem sind weitere Fortschritte realisierbar, da unsere neue Messtechnik weit über die heutigen Maßstäbe hinaus geht."

Dosen aus Weißblech sind Recyclingweltmeister

Technologisch ist die moderne Anlage state of the art - auch, weil mit dem digitalisierten Workflow zusätzliche effizientere und energiesparende Prozesse realisiert werden. Michels prognostiziert: „Nach weiteren Tests und Berechnungen werden wir uns über sinkende CO2-Emissionen aus der Produktion freuen können.“ Einen Beitrag zum Wiederverwertungs-Kreislauf liefert die Dose ebenfalls: Als das europaweit am meisten und am effizientesten recycelte Verpackungsmaterial muss Weißblech gerade im Hinblick auf ökologische Nachhaltigkeit keinen Vergleich scheuen.

Umwelt- und Arbeitsschutz, Ressourceneffizienz: All das realisiert sich in der VA13 in Andernach. Die Investition liefert damit in mehrfacher Hinsicht Mehrwert, denn Mitarbeitende, Hersteller, Kunden und Verbraucher profitieren gleichermaßen vom Umstieg auf das neue TCCT Verfahren.

Stahlveredelung im Millionen-Tonnen-Bereich

  • 1,5 Millionen Tonnen Verpackungsstahl werden auf den Anlagen in Andernach bei Rasselstein verarbeitet.
  • Das entspricht 15 Prozent der Duisburger thyssenkrupp Produktion.
  • 400 Kunden in 80 Ländern beziehen von hier Weiß- und Feinstblech für Dosen.
  • Das Sortiment umfasst Dicken von 0,100 bis 0,499 mm.
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