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Podcast in der Anwendung

gekocht, gewalzt, veredelt – der Stahl-Podcast

Ein Hörerlebnis für alle!

Wie bedeutsam und zukunftsfähig ist Stahl für die Wirtschaft – und das Leben aller Menschen? Wir machen aus dem vielseitigen Werkstoff ein Hörerlebnis: In unserem Stahl-Podcast „gekocht, gewalzt, veredelt“ sprechen wir über Themen wie Mobilität, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und vieles mehr. Was macht Stahl aus? Und welches Potenzial hat der Werkstoff in der Zukunft? Diese und weitere Fragen beantworten unsere Expert:innen im Talk-Format.

Toni und Dr. Heike Denecke-Arnold bei der Aufnahme des Podcasts

Folge 1: Altes Eisen oder Zukunft?

Brauchen wir Stahl überhaupt noch? Dieser Frage geht unsere Moderatorin Toni in der ersten Podcast-Folge von „gekocht, gewalzt, veredelt“ nach. Dabei greift sie auf die geballte Expertise von Heike Denecke-Arnold zurück. Sie ist CEO sowie CTO der thyssenkrupp Hohenlimburg GmbH und seit Jahrzehnten in der Stahlindustrie tätig. Wer noch ein paar überzeugende Zahlen für den nächsten Smalltalk baucht oder lebensnahe Beispiele für die Vielfältigkeit von Stahl, sollte einschalten!

Folge 1 in Schriftform

Antonie Bauer: Stahl ist alt. Ein Werkstoff, den es schon seit Jahrtausenden gibt. Deshalb könnte man auch sagen: Es ist ein ziemlich altes Eisen. Aber ob es deshalb auch Geschichte ist? Ich glaube nicht. Und das werden wir auch in dieser Folge heute zeigen. Herzlich willkommen zur allerersten Folge vom Podcast „gekocht, gewalzt, veredelt: Der Stahl-Podcast“, indem er uns mit dem Werkstoff Stahl auseinandersetzen und mit allem, was da so zugehört. Mein Name ist Antonie und ich führe euch durch die heutige Folge.

In dieser ersten Folge blicken wir zurück, weit zurück. Aber wir blicken auch nach vorn, schauen auf die Anfänge der Produktion von Stahl und auf seine Entwicklung. Und außerdem blicken wir in die Zukunft und was noch drinsteckt in diesem vermeintlichen „Methusalem-Werkstoff“. Denn Stahl, so viel kann ich euch schon mal verraten, ist alles mögliche, aber bestimmt kein altes Eisen. Und um uns Stahl zu nähern, zu erklären, was Stahl ist und war und wieso jeder Einzelne von uns jährlich im Schnitt fast achtmal so viel Stahl braucht wie Kartoffeln, spreche ich mit Heike Denecke-Arnold. Hallo Heike!

Heike Denecke-Arnold: Hallo Toni!

Antonie Bauer: Wenn jemand Stahl-Expertise hat, dann du. Denn du steckst mittendrin in der Stahl-Wirtschaft. Du bist CEO und CTO bei der thyssenkrupp Hohenlimburg GmbH, also der Business Unit Precision Steel. Bevor wir dazu kommen, was genau dein Tagesgeschäft ist, würde ich dir direkt gerne die Frage aller Fragen stellen: Inwiefern fasziniert dich der Werkstoff Stahl? Was ist daran so besonders für dich?

Heike Denecke-Arnold: Am Werkstoff Stahl fasziniert mich am allermeisten, dass er so irre vielfältig ist. Er kann uns beschützen. Ich kann schöne Dinge mit ihm darstellen. Nützliche Dinge. Er hilft mir dabei, mich fortzubewegen. Ich finde ihn in meinem täglichen Umfeld. Und das Faszinierende daran ist, je nachdem, wie ich ihn herstelle, also welches „Kochrezept“ ich wähle, kommen am Ende ganz unterschiedliche Dinge dabei raus, die auf der einen Seite groß und stark sind und auf der anderen Seite vielleicht auch ganz dünn und ganz filigran.

Antonie Bauer: Also überall wo du hinschaust, siehst du irgendwo Teil deiner täglichen Arbeit. Ja, was genau ist denn deine Arbeit? Was machst du so den ganzen Tag?

Heike Denecke-Arnold: Du hast ja eben gesagt, wo ich arbeite. Und ich bin dort in der Geschäftsführung tätig und in der Rolle verantwortlich für die Produktion, den Vertrieb und die Qualität. Und das heißt, wir stellen ein warmgewalztes Produkt her. Das wird veredelt, weiterverarbeitet und am Ende des Tages soll es natürlich auch verkauft werden. Das heißt, es gibt dort eine Vertriebsmannschaft, die das Produkt dann an die Kunden verkauft und verhandelt. Und damit sie das möglichst gut machen können, brauchen wir natürlich auch eine ausgezeichnete Qualität. Das heißt, da gibt's dann auch Bereiche, die kümmern sich darum, dass das, was wir herstellen, auch qualitativ in Ordnung ist.

Antonie Bauer: Heike Ich habe in der Vorbereitung eine Zahl gelesen, die mich ehrlich gesagt ein bisschen umgehauen hat. 420 Kilo Stahl verbrauchen wir in Deutschland pro Kopf pro Jahr. Um das mal in Relation zu setzen: Das ist mehr, als wir an Obst, Gemüse und Fleisch zusammen pro Kopf zu uns nehmen. Und im Gegensatz dazu kann man Stahl zwar nicht essen, aber was meinst du, woher kommt dieser Hunger auf diesen Werkstoff?

Heike Denecke-Arnold: Ich glaube, der Hunger kommt daher, dass ich ihn genauso brauche, wie ich täglich meine Nahrung brauche und meine Getränke brauche. Es geht morgens schon damit los auf dem Weg zum Kühlschrank. Der Kühlschrank ist schon aus Stahl hergestellt. Für die, die sich dann vielleicht in ein Auto reinsetzen, sie bewegen sich in etwas, was aus Stahl hergestellt wurde. Oder die, die vielleicht öffentlichen Verkehr nutzen; Verkehrsmittel, die Schienen. Ich fahre jeden Tag über Brücken rüber, die aus Stahl gefertigt sind. Oder aber in der Mittagspause; Ich habe vielleicht Durst und nehme eine Getränkedose, dann ist die auch ganz oft aus Stahl gefertigt. Wir haben alle vielfältigste Dinge in unserem Leben, die wir als selbstverständlich wahrnehmen, einfach brauchen und Sachen, die wir sehen, die wir nutzen. Aber ich glaube wir machen uns nie bewusst Gedanken drüber, woraus sie eigentlich gefertigt sind.

Antonie Bauer: Wissen deine Freunde oder deine Familie, wo Stahl überall drinsteckt? Redet ihr im Freundeskreis auch oft darüber, was Stahl so kann und macht, so wie wir jetzt hier darüber reden? Wie erklärst du in deinem Freundeskreis, was Stahl kann und wozu er fähig ist?

Heike Denecke-Arnold: An ähnlichen Beispielen. Wir diskutieren viel darüber, vielleicht fast eher noch in der Familie, weil meine Brüder in ganz anderen Branchen tätig sind, als ich es bin und ich immer wieder versuche zu erklären, was ich eigentlich mache. Das kommt oft auch daher, dass die Stahlindustrie irgendwie den Ruf hat, dreckig zu sein und alt zu sein oder auch gar nicht mehr zu existieren in Deutschland. Was ja überhaupt nicht stimmt, wenn man hier aus dem Fenster schaut. Man sieht es ja leibhaftig. Sie ist da, sie ist real. Stahl ist nach wie vor präsent in Deutschland und auch in der Welt. Und ich versuche immer an praktischen Beispielen zu zeigen, wo es jeder nutzt. Es gibt vor allem in Autos beispielsweise so viele Komponenten, die funktionieren müssen, die uns schützen sollen, wenn man mal einen Unfall baut, die die Energie des Unfalls aufnehmen.

Antonie Bauer: Ist denn Stahl als Werkstoff, der uns an so vielen Ecken und Enden begegnet, dann irgendwie auch in einer gewissen Weise alternativlos?

Heike Denecke-Arnold: Völlig alternativlos ist er nicht. Das ist immer ein Abwägen, was ich damit machen möchte. Stahl halt den großen Vorteil, dass er sehr leicht zu verarbeiten ist. Ich kann ihn formen. Ich kann ihn fügen. Ich kann ihn schweißen. Und er ist zu 100 Prozent recyclingfähig. Das ist natürlich auch ein ganz großer Vorteil, dass er irgendwann wieder, wenn er mal alt und ausgedehnt ist, als Schrott weiter nutzen kann und wieder verarbeiten kann.

Antonie Bauer: Jetzt kommen wir mal so ein bisschen weg vom Werkstoff Stahl an sich und gehen mehr in die Produktion. Also alleine hier am Standort Duisburg, wo wir aufnehmen: Da fährt man erst einmal an 100 Metern Werk vorbei. Oder auch wenn ich von der Autobahn abbiege, dann sehe ich ja schon von weitem die Hochöfen und eine ganz eigene Atmosphäre, die dadurch entsteht, dass das hier so große Dimensionen hat. Hast du da vielleicht noch ein paar mehr Zahlen für unsere Zuhörer und Zuhörerinnen, die vielleicht noch nicht an so einem Standort waren, die sich das vielleicht noch nicht so vorstellen können?

Heike Denecke-Arnold: Ich glaube, beim Besten kann man es festmachen an der Fläche des Standortes hier, dass das allein 10 Quadratkilometer sind. Ein Schienennetz, was nur im Werk alleine, also nicht außen rum, fast 500 Kilometer lang ist. Ich glaube, da bekommt man ein Gefühl für die Dimensionen. In der ganzen Einheit Steel arbeiten rund 27.000 Mitarbeiter. Das zeigt einfach auch nochmal, was für eine Bedeutung die Stahlindustrie auch als Arbeitgeber hat. Es sind unglaublich viele Menschen in dieser Industrie beschäftigt. Und sie werden auch gebraucht für den ganzen Prozesse. Produktionsanlagen brauchen Menschen, die die Anlagen betreiben und bedienen. Ich brauche viele Kaufleute, sei es im Vertrieb oder im Rechnungswesen oder im Controlling. Und das ergibt sich allein aus der schieren Größe der Anlagen, dass man auch so viele Mitarbeiter braucht.

Antonie Bauer: Dann vielleicht nochmal ganz genau die Frage Woher kommen diese riesigen Dimensionen bei der Stahlproduktion?

Heike Denecke-Arnold: Man muss sich überlegen, das allein nur hier bei thyssenkrupp Steel pro Jahr zehn Millionen Tonnen Stahl produziert werden. Zehn Millionen Tonnen. Das sind gigantische Mengen. Und das ist ja am Beispiel Kartoffeln festgemacht. Man braucht Stahl, es ist fast ein Massenprodukt. Wir brauchen ihn für die zahlreichen Dinge, wo Stahl Verwendung findet, und das ist dann auch logisch, dass ich entsprechend große Aggregate brauche, um diese gigantischen Tonnage dann noch herstellen zu können.

Antonie Bauer: Die Produktion ist – zumindest denkt man das, wenn man es hört – schmutzig, laut, heiß, staubig. Also ist nicht schön oder kein angenehmer Ort. Aber wer schon mal ein Stahlwerk besucht hat, der weiß da ist noch mehr. Also gleichzeitig kann Stahl ja auch sehr modern und sehr clean sein. Wie passt das für dich zusammen? Wie passt Stahl vielleicht auch mit neuen Technologien zusammen für dich.

Heike Denecke-Arnold: Ich glaube, das beste Beispiel ist im Moment die Elektromobilität. Das geht mit Stahl gut. Ich kann Leichtbau-Konzepte begleiten, die dann aber trotzdem möglich machen, dass es auch wirtschaftlich bleibt, weil am Ende des Tages steht immer ein Kunde, der auch bereit ist, nur einen gewissen Preis zu zahlen. Ein ganz tolles Beispiel, wie Stahl einfach auch für die Zukunft wirklich nützlich sein kann und uns auch hilft, Ressourcen zu schonen. Weg von der Kohle, hin zu alternativen Energien.

Antonie Bauer: Da bist du dann mittendrin beim Weiterforschen, Ausprobieren. Und das passt perfekt zu meiner nächsten Frage. Weil wir jetzt auch den Terminus Klimawandel schon öfter hatten. Vielleicht kannst du ja nochmal ganz genau sagen, wie Stahl einen Teil der Lösung sein kann; mit Blick auf den Klimawandel für die Probleme, die wir gerade schon haben.

Heike Denecke-Arnold: Da gibt's zwei Wege oder Möglichkeiten, die beide genutzt werden. Das eine ist, dass ich Produkte entwickle, die ich jetzt brauche für diesen Trend, der sich da draußen im Markt abzeichnet. Und das andere ist, dass man sich sehr intensiv Gedanken darüber macht: Wie kann ich bei der Stahlhersteller von der Kohle zu Wasserstoff kommen? Das heutige Verfahren ist so, dass das viel Kohle eingesetzt wird. Ich brauche sie einfach, um das Eisenerz zu reduzieren. Was heißt, das Eisen kommt in der Natur nicht als reines Eisen vor, sondern immer ein oxidischer Form. Und die Kohle brauche ich, um dem Eisenerz sozusagen den Sauerstoff zu klauen. Das funktioniert mit dem Wasserstoff genauso wie mit der Kohle. Ich brauche also irgendwas, was dem Eisen den Sauerstoff klaut. Und das wird jetzt hier an dem Standort ganz massiv vorangetrieben; es werden industrielle Konzepte entwickelt. Das heißt letztendlich auch, dass es zum kompletten Umbau der der Stahlindustrie kommt. Also das ist wirklich fast wie eine industrielle Revolution, was da stattfindet. Ich meine, diese Aggregate, die da draußen stehen, gibt es seit vielen, vielen Jahren. Und jetzt gehe ich sozusagen an das Herzstück dran und baue es einmal komplett um.

Antonie Bauer: Ich versuche mir vorzustellen, wie das aussieht, wenn sich hier einiges tut oder umgebaut wird. Vielleicht hast du da nochmal ein genaueres Bild als ich jetzt.

Heike Denecke-Arnold: Ich glaube, es wird gar nicht so viel anders aussehen. Von den Fertigungsabläufen her, was sich massiv verändern wird, ist die Art und Weise, wie ich den Rohstahl, also das anfängliche Produkt, herstellen werde. Das wird sich gravierend verändern. Vorausgesetzt auch, wir bekommen die entsprechende Unterstützung aus der Politik. Die technischen Ideen sind da. Es ist auch möglich, das zu tun, aber es kostet unglaublich viel Geld und das kann keiner alleine stemmen. Und da sind wir dann auch auf die Unterstützung der Politik angewiesen, dass man diesen Weg weiter oder gemeinsam geht. Vielleicht auch mal als ein Beispiel: Wenn ich das tun wollte, hier die die komplette Produktion auf eine Produktion mit Wasserstoff umzustellen, brauche ich 720.000 Tonnen Wasserstoff. Und wer das Gasometer in Oberhausen kennt: Es ist 23.000 Mal dieses Gasometer allein vom Volumen her. Und das zeigt einfach, wie gigantisch dieser Veränderungsprozess werden wird.

Antonie Bauer: Ja, so wie wir angefangen haben, hören wir jetzt auch wieder auf mit beeindruckenden Zahlen, mit großen Dimensionen. Vielen lieben Dank, Heike, dass du uns diese Einblicke heute mitgebracht hast. Und ich würde jetzt unser Gespräch gerne einmal auf drei Erkenntnisse nochmal konzentrieren.

Damals wie heute Stahl war und ist essentiell für unsere Wirtschaft und ist auch irgendwie überall drin. Sowohl in den Kleinen als auch in den großen Dingen. Das ist Punkt 1.

Punkt 2: Stahl ist moderne Technologie. Die Hütte mag alt sein, aber sie ist noch lange kein Relikt und sie kann ein Ort der Zukunft werden. Denn auch die Stahlproduktion entwickelt sich ständig weiter und Stahl erfindet sich praktisch immer wieder neu.

Ja und was den Klimawandel angeht, das ist Punkt 3: Klimaneutrale Stahlproduktion kann und soll auch Realität werden. Und in neuen Technologien steckt Stahl auch jetzt schon drin, wie z.B. der Elektromobilität.

Bevor wir uns verabschieden, hab ich hier schon mal einen Ausblick auf die nächste Folge: Stahl ist hart, aber Stahlkocher sind noch härter im Nehmen und deswegen sprechen wir in der nächsten Folge mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Stahl-Bereich über das Hinfallen und Aufstehen und darüber, dass Aufgeben gar keine Lösung ist.

Eure Meinung zum Podcast und eure Fragen zum Thema Stahl sind uns wichtig. Also schreibt uns gerne eine E-Mail an [email protected] und lass uns da auch gerne wissen, wie euch der Podcast gefallen hat oder welche anderen Themen wir zukünftig beleuchten sollen. Das war die erste Folge von gekocht, gewalzt, veredelt. Mein Name war und ist Antonie und ich freue mich, wenn wir uns bei der nächsten Folge wiederhören. Bis dann!

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