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Innovationen, die sich lohnen

Sie benötigen etwas ganz Spezielles und suchen das Besondere? Ob Familienunternehmen, kleiner oder mittelständischer Betrieb – wir entwickeln mit Ihnen und produzieren für Sie.

Waschmaschinentrommeln, so weit das Auge reicht. Hoch unter dem Dach der Fertigungshalle gleiten die blitzenden Hohlkörper zum nächsten Montagearbeitsplatz. In einer anderen Werkshalle hängt der Himmel voll strahlend weißer Seitenwände, die in Transportwagen über kilometerlange Förderbänder fahren. Auf drei Ebenen, ein langer, stetiger Strom.

Claudia Kuckertz steht nicht alleine am Ende der Fertigungsstraße. Bei ihr ist Thorsten Störmer. Er ist bei Miele in Gütersloh für den Stahleinkauf verantwortlich. Sie ist technische Kundenberaterin für den Colorbereich von thyssenkrupp Steel Europe und betreut Miele seit fünf Jahren. Beide schätzen einander sehr, und das ist gut für beide Geschäftspartner. Während sie sich unterhalten, inspiziert im Hintergrund ein Mitarbeiter Seitenwand für Seitenwand. Nur wenn sie absolut makellos ist, schickt er sie weiter.

Störmer und Kuckertz haben sich in letzter Zeit öfter gesehen. Häufige Treffen zwischen Kundenberater und Einkäufer gibt es bei konkreten technischen Themen. Oder wenn man gemeinsam an einem neuen Produkt arbeitet. „Bei uns ist dieses Mal erfreulicherweise Letzteres der Fall gewesen“, sagt sie. „Und weitaus aufregender waren die Anlässe ebenfalls“, so Störmer, „denn wir haben sowohl ein bereits verwendetes Material verbessert als auch ein neues Produkt entwickelt.“ pladur®Thermosafe heißt es und geht in Kürze für Mieles Hausgeräte in Serie.

Thorsten Störmer, Leiter des Materialeinkaufs bei Miele, beschreibt Claudia Kuckertz den Anspruch an Farbe und Werkstoff.
Thorsten Störmer, Leiter des Materialeinkaufs bei Miele, beschreibt Claudia Kuckertz den Anspruch an Farbe und Werkstoff.

Spannung herrscht auch in Duisburg. Hier hat der Bereich Technology & Innovation in den letzten Jahren an einer Neuheit getüftelt, die jetzt zur Marktreife gebracht wird. Die Idee dazu entstand auf einem der regelmäßigen internen Workshops von Vertrieb und Anwendungstechnik. „Da überlegen wir im Kollegenkreis, was wir einem bestimmten Kunden für einen Mehrwert bieten können“, sagt Stefan Köhler, technischer Kundenberater bei thyssenkrupp Steel Europe. „Damit wir allerdings nicht ins Blaue hinein überlegen, sprechen wir unsere Ansätze frühzeitig auch gemeinsam mit dem Kunden durch.“

Vertreter aus allen beteiligten Bereichen reden sich dann einen Tag lang schlau, ohne Denkverbote. Offen, ehrlich, geradeheraus. „Das ist für beide Seiten von immensem Nutzen.“ Anschließend arbeiten kleinere Arbeitsgruppen in Abstimmung mit dem Kunden die Ideen weiter aus. „Oft geht es um die Lösung eines bestehenden Problems“, sagt Thomas Flöth aus der Anwendungstechnik in Duisburg. „Im besten Fall kommt am Ende ein völlig neues Produkt dabei heraus.“

Beispiele dafür bietet die Winkelmann-Gruppe, die Köhler seit vielen Jahren berät. Das mittelständische Familienunternehmen gehört zu den führenden Zulieferern der Automobilindustrie sowie der Heizungs- und Wasserversorgungsbranche. Und ist ein Spezialist auf dem Gebiet des Drückwalzens, eines Fertigungsverfahrens der Umformtechnik. Dabei formen Walzen mit hohem Druck und bei niedriger Temperatur aus flachem Material höchst anspruchsvolle Motoren- und Getriebekomponenten. Nach einem Workshop mit der Heizungs- und Anlagentechnik, die ihren Produktionsstandort in Polen hat, ist aus der Idee, höherfeste Werkstoffe in einer dünneren Ausführung zu liefern, ein Serienprodukt geworden. „Der Kunde bekommt nun pro bezahlter Tonne Stahl mehr Meter Material – bei gleicher Qualität“, so Köhler.

Leif Peters (l.), Geschäftsführer des Bereichs Stahl der Winkelmann-Gruppe

Die Innovation, an der wir gerade arbeiten, basiert darauf, dass die Werkstoffkompetenz von Steel Europe sich mit unserer Umformkompetenz paart.

Leif Peters (l.), Geschäftsführer des Bereichs Stahl der Winkelmann-Gruppe

Neben vielen Normprodukten kann thyssenkrupp Steel Europe auch zahlreiche Besonderheiten bedienen. „Die Innovation, an der wir gerade arbeiten, basiert darauf, dass die Werkstoffkompetenz von Steel Europe sich mit unserer Umformkompetenz paart“, sagt Leif Peters, Geschäftsführer des Bereichs Stahl der Winkelmann-Gruppe am Stammsitz in Ahlen. Sein Unternehmen sei kein normaler Metallverarbeiter, fügt er hinzu, sondern ein Spezialist in der Metallumformung. „Wir sprechen auch gerne von Magie in Blech.“

Dirk Holschumacher
Dirk Holschumacher war in Kreuztal-Eichen maßgeblich an der Entwicklung von PLADUR®ThermoSafe beteiligt.

Wer sich bei Freunden und Verwandten umhört, lernt schnell, dass den Produkten von Miele ebenfalls ein gewisser Zauber innewohnt. Das in vierter Generation geführte Familienunternehmen ist nicht umsonst der weltweit führende Anbieter von Premium-Hausgeräten. Der Grund für die Entwicklung von pladur® Thermosafe, einem Newcomer der Steel Europe-Sparte Color, war jedoch nicht Magie, sondern schlicht Pragmatismus. Die Innovation wurde durch eine gesetzliche Regel vorangetrieben: Laut EU-Verordnung müssen elektrische Hausgeräte aus Metall, die im Normalbetrieb wärmer als 50 Grad werden können, mit einem besonderen Wärmeschutz versehen sein. Diese Norm gilt seit 2014 für alle Neuprodukte. Je wärmer ein Gerät werden kann, umso dicker muss diese Schicht sein.

Zur Sicherheit des Verbrauchers spielt es dabei keine Rolle, an welcher Stelle sich die Wärme entwickelt – ob vorne, hinten oder seitlich. „Das trifft zum Beispiel auf die Rückwand unserer Trockner zu“, sagt Störmer. „Wir haben uns zunächst mit einer weiteren Abdeckung aus Kunststoff beholfen, denn der leitet die Wärme nicht.“ Doch das Ergebnis war in vielerlei Hinsicht unbefriedigend. „Wir wollen natürlich Material- und Prozesskosten sparen. Auf diese Weise mussten wir aber ein weiteres Bauteil fertigen, das eine Montage und zusätzliche Arbeitsschritte erfordert.“

Und es gab noch einen Nachteil: „Das Gerät wurde wahrnehmbar lauter“, bemerkt Dirk Holschumacher aus dem Entwicklungsteam im nordrhein-westfälischen Kreuztal-Eichen, dem Sitz der Color-Sparte von thyssenkrupp Steel Europe. „Also fragte man uns, ob wir nicht eine Idee hätten“, sagt Kuckertz während eines Besuchs im Showroom der Entwicklungsabteilung, wo Muster aller oberflächenbeschichteten Flachstahlprodukte zu sehen sind – für Fassaden, Nutzfahrzeuge, Garagentore und Hausgeräte, wie etwa aus dem umfangreichen pladur®-Programm. „Und dem war so“, sagt Holschumacher, ohne zu viel zu verraten: „Wir haben einen unserer Werkstoffe mit einer Folie beschichtet, die es vorher noch nicht gab. So wird nun die Wärmeübertragung verhindert.“

Facts

  • 91%

    aller aktiven Betriebe in Deutschland sind familienkontrollierte Unternehmen. Immerhin 88 Prozent des gesamten Firmenbestands zählen zu den familiengeführten Unternehmen.

  • 1.300

    mittelständische Unternehmen sind mit ihren Produkten Weltmarktführer in Nischenbereichen. Die sogenannten „Hidden Champions“ sind besonders erfolgreich im Maschinenbau, der Elektroindustrie und bei unterschiedlichen Industrieprodukten.

  • 15,7 Millionen

    Beschäftigte arbeiten in mittelständischen Betrieben. Das entspricht knapp zwei Drittel aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland.

  • 37%

    des gesamten Umsatzes der Unternehmen in Deutschland wird von kleinen und mittelständischen Firmen erwirtschaftet. Bbei der Wertschöpfung liegt ihr Anteil sogar bei 57 Prozent.

Die neue geschwungene Rückwand sieht schick aus und fühlt sich angenehm an. Neben höchsten technischen Anforderungen muss das Material für Miele nämlich auch optisch höchsten Ansprüchen genügen. Nicht umsonst wurden einige Modelle mit Designpreisen ausgezeichnet.

Nur das Gewicht, das spielt bei weißer Ware keine Rolle. „Im Gegenteil, eine Waschmaschine muss schwer sein, damit sie beim Schleudern nicht wandert“, so Michael Schulte-Zweckel. Er ist das kaufmännische Pendant zu Claudia Kuckertz und betreut Miele als Verkaufsteamleiter. „Für unsere Kunden im Hausgerätesegment sind – neben den technischen Parametern – eine schnelle Verarbeitung und kurze Durchlaufzeiten wichtig.“

Ganz anders im Automobilsektor. Dort können die Bauteile nicht leicht genug sein. Bei höchster Festigkeit und Zähigkeit natürlich. thyssenkrupp Steel Europe hat dafür spezielle Werkstoffe wie den Mangan-Bor-Stahl im Sortiment, aus dem Winkelmann zum Beispiel Anlasserschwungräder (flex plates) herstellt. „Der Kunde ist in der Lage, mit unserem speziellen Material und seinem Know-how ein komplettes Bauteil mit extrem wenig Materialverlust zu formen“, erklärt Stefan Köhler. „Nehmen Sie als Beispiel den Schwingungsdämpfer: Der Teller, die Poly-V-Profilierung, also der Bereich, über den der Riemen läuft, sind spanlos aus einer einzigen Ronde hergestellt. Er hat keine Schrauben, keine unnötigen Schweißnähte.“

Das bedeutet weniger Arbeitsschritte sowie Material- und Gewichtsreduzierung. „Sie sparen als Kunde also bares Geld. Und das Fahrzeug, für das dieses Element bestimmt ist, spart durch das leichtere Motorteil Sprit.“ Die Unternehmen der Winkelmann-Gruppe liefern ihre Endprodukte an namhafte OEMs (Original Equipment Manufacturer) der Branche, wo sie in fast jedem Motor und Getriebe verbaut werden.

Markus Unglaub spricht mit Stefan Köhler.

Markus Unglaub spricht mit Stefan Köhler.

Warmbandwerk in Duisburg

Warmbandwerk in Duisburg

Bei Bauteilen dieser Art darf bei hohen Umdrehungszahlen keine Unwucht auftreten. Sie müssen rund laufen, wenn der Motor auf Touren kommt. „Winkelmann setzt dafür entweder Mittelband ein, das Spezialband aus dem Hause Hoesch Hohenlimburg, oder Duisburger Warmband, das die entsprechenden Toleranzen aufweist“, so Köhler. Dazu muss man wissen, dass Stahlronden – die Ausgangsform für viele Komponenten – mehrfach diagonal zur Laufrichtung des Warmbandes ausgestanzt werden. „Es ist wie beim Backen. Da möchten Sie auch möglichst viele Kekse der gleichen Dicke aus dem Teig stechen. Doch bei Plätzchen macht eine Abweichung von 0,2 Millimeter keinen großen Unterschied, bei einem Stahlband schon.“

Kunden wie Winkelmann gehen mit ihren Produkten an den Rand des technisch Machbaren. Wer als Lieferant bestehen will, muss das ebenfalls leisten. „Die Ansprüche unserer Kunden an das Material sind in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen“, sagt Martin Metzing, der Winkelmann mit seinem Steel Europe Vertriebsteam kaufmännisch betreut. „Auch deswegen investieren wir ständig in Wartung und Modernisierung unserer Anlagen, um die Herausforderungen unserer Kunden zu erfüllen. Denn nur so können die immer engeren Toleranzen und Bombierungen eingehalten werden.“

Martin Metzing (r.) und Stefan Köhler bevorzugen den kurzen Dienstweg und unkomplizierten Gedankenaustausch.
Martin Metzing (r.) und Stefan Köhler bevorzugen den kurzen Dienstweg und unkomplizierten Gedankenaustausch.

Hohe Anforderungen hat auch Miele. Im Gütersloher Hauptsitz ist Thorsten Störmer voll des Lobes: „Für unser Material brauchen wir einen Lieferanten, der in diesen Grenzbereichen prozesssicher arbeiten kann. Das kann nicht jeder. Und wir müssen Ansprechpartner wie Frau Kuckertz haben, die eine hohe technologische Kompetenz besitzen, die schnell und strukturiert reagieren." Zum Beispiel vor zwei Jahren: „Wir waren damals ausgewählter Entwicklungspartner für ein spezifisches Produkt. Einen besonderen Fokus legte Miele dabei auf den Farbton und den Glanzgrad. Das Weiß des Unternehmens ist heller und glänzender als das der anderen Hersteller“, so Kuckertz. „Auch auf die Widerstandsfähigkeit gegen mechanischen Abrieb und chemische Mittel sowie die Lichtbeständigkeit wurde ein Augenmerk gelegt.“

Partnerschaftliches Arbeiten und Vertrauen sind hier gefragt. „Und nicht zuletzt Geduld“, sagt Störmer. „Prozess- und Produktinnovationen brauchen Zeit. Außerdem testen wir ausgiebig, sodass unsere Freigaben Jahre dauern können. Wer als Lieferant auf schnellen Abverkauf aus ist, scheidet als Partner für uns aus.“ Miele bezieht von Steel Europe Qualitätsstahl diversester Sorten und Güten, von gängigen Stählen bis zu Spezialitäten. Das zeichnet die Geschäftsbeziehung aus – und das schon seit Jahrzehnten.

Für die Winkelmann-Gruppe ist der Stahlkonzern einer der wichtigsten und größten Lieferanten. Weitere Mengen liefert zudem das Stahl-Service-Center von thyssenkrupp im polnischen Dabrowa Gornicza. „Über die Jahre haben wir einige Herausforderungen gemeinsam gelöst“, sagt Martin Metzing. „Das ist Grundlage für eine kontinuierliche Partnerschaft auf hohem Niveau.“ Köhler fügt hinzu: „Wir stehen vor der Aufgabe, aus einem vergleichsweise einfachen Produkt ein immer höherwertigeres zu machen.“ Erst in kleinen, dann in größeren Mengen, immer wieder reproduzierbar und zu akzeptablen Kosten. Der Einstieg in neue Geschäfte gelingt nicht ohne Aufwand. Doch er lohnt sich. Für alle Beteiligten.

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